Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.11.2019


Gesellschaft

Lithium-Ionen-Akkus im Restmüll werden zum Fiasko

Energiestarke Lithium-Batterien landen zu oft im normalen Abfall. Entsorger warnen vor den Gefahren.

Die im Handy verbaute Batterie kann sich bei Überhitzung aufblähen und rasch explodieren.

© Getty Images/iStockphotoDie im Handy verbaute Batterie kann sich bei Überhitzung aufblähen und rasch explodieren.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Ob im Akku-Schrauber, im Handy, im E-Bike oder auch im Elektro-Auto: Lithium-Ionen-Batterien sind in zahlreichen Gebrauchsartikeln verbaut. Dank ihrer hohen Energiedichte sind sie ein weit verbreiteter und leistungsfähiger Energiespeicher. Der Anteil der Lithium-Batterien in diversen Geräten betrug im Vorjahr 29 Prozent, Tendenz steigend. In den ersten zwei Quartalen 2019 betrug der Anteil bereits knapp 40 Prozent. Und auch wenn die Zellen bei sachgemäßem Gebrauch sicher seien, bergen sie doch erhebliche Gefahren (siehe Artikel unten).

Vor allem die Abfallwirtschaft klagt. „Früher gab es in Entsorgungsbetrieben alle zehn Jahre einen Brand, heute brennt es alle paar Tage“, sagt Werner Bleiberger, Obmann der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer Kärnten. Denn zu viele Lithium-Batterien landen im Restmüll – und sind damit eine Gefahr. Denn auch ein kleiner Akku in einer Schredder-Anlage könne sich explosionsartig entzünden, der Brand verursache enormen Schaden, sei teuer und gefährlich – und schwer zu löschen. „Die Leute sind nicht informiert, wie gefährlich das ist“, meint Bleiberger. Die Gefahr sei groß, immerhin landen jährlich 1,4 Millionen Stück der Akkus im Restmüll.

„Eine getrennte Sammlung dieser Batterien ist unbedingt erforderlich“, fordert Helmut Ogulin, Obmann des Fachverbands Entsorgungs- und Ressourcenmanagement. Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), setzt auf Aufklärung über die versteckten Batterien: „Die Konsumenten wissen nicht, wo überall Lithium-Batterien drin sind.“

Und Branchenvertreterin Giehser berichtet von laufenden Gesprächen mit dem Handel. Das Ziel sei, die Geräte in den Geschäften zurückzugeben, damit diese dann richtig recyclet werden können. Ein Pfandsystem ähnlich zu Kühlgeräten, wo beim Kauf die Entsorgung mitgezahlt wird, können sich die Branchenvertreter vorstellen. Zuvor setze man jedoch auf Bewusstseinsbildung.

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