Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.11.2019


Bezirk Kitzbühel

Ein harter Weg zurück

auf das Judo-Podest

Vor acht Monaten wog Mohamed Fathelbab noch über 100 Kilo. Nun glänzte er unter internationalen Sportlern. Mit seiner Geschichte will er inspirieren.

Bei den Ü30-Meisterschaften in Linz kämpfte Fathelbab zum ersten Mal nach Jahrzehnten.

© FathelbabBei den Ü30-Meisterschaften in Linz kämpfte Fathelbab zum ersten Mal nach Jahrzehnten.



Von Jasmine Hrdina

Langkampfen, Innsbruck – Ein paar überschüssige Pfunde loswerden. Schon daran scheitern die meisten von uns aus diversen Gründen (und Ausreden). Was Mohamed Fathelbab gelang, sprengt die Definitionsgrenzen von „Überwinde deinen inneren Schweindehund“. In nur acht Monaten verlor er nicht nur 25 Kilogramm, sondern kämpfte sich – im wahrsten Sinne des Wortes – trotz jahrzehntelanger Sportpause wieder aufs Podest eines internationalen Judo-Turniers.

Im Februar 2017 zog der heute 38-Jährige berufsbedingt von Kairo nach Innsbruck. Als Qualitätsmanager eines internationalen Pharma-Unternehmens in Schaftenau tat er sich schwer, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Warum es nicht über Sport versuchen, dachte sich der zweifache Vater. „In meiner Kindheit war ich im ägyptischen Judo-Nationalteam. Aber seit ich erwachsen bin, habe ich nicht mehr trainiert. Dazu war ich auch nicht fit genug“, erzählt Fath­elbab. Beim Judoclub Kufstein habe man ihn als Trainer für die Kinder mit offenen Armen empfangen. „Obwohl dort fast niemand Englisch kann, haben wir uns sehr gut verstanden“, zeigt sich der Hobbysportler dankbar.

Mit viel Disziplin, Zeit im Innsbrucker Fitnessstudio und einem strengen Ernährungsplan purzelten die Pfunde. Im Sommer erfuhr Fathelbab dann von den Österreichischen Ü30-Judomeisterschaften. „Ich habe meine Familie gepackt, wir haben uns spontan ins Auto gesetzt und sind losgefahren“, erzählt der in Innsbruck wohnende Fathelbab. Weder hatte er für den Bewerb wirklich trainiert noch wusste er, ob er überhaupt teilnehmen darf.

Er kämpfte, obwohl er acht Monate zuvor noch stark übergewichtig und alles andere als sportlich war.
Er kämpfte, obwohl er acht Monate zuvor noch stark übergewichtig und alles andere als sportlich war.
- Fathelbab

Schließlich ging er für Ägypten in der Kategorie Männer zwischen 31 und 38 Jahren bis 81 kg Körpergewicht an den Start. „Ich hatte am Tag zuvor noch 82 Kilogramm und musste über Nacht ein Kilogramm loswerden“, erinnert er sich.

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Beim ersten Kampf merkte er, sein Kopf wusste zwar noch, was zu tun war, seine Arme und Beine aber flogen mehr unkontrolliert durch die Gegend. Nach einigen Minuten und einigen schmerzvollen Hieben seiner Gegner gelang es ihm allerdings, wieder in seine Rolle zu finden. „Es war ein bisschen wie Radfahren, das verlernt man irgendwie auch nie.“

Dass seine Familie ihn beobachtete, motivierte ihn, nicht aufzugeben, obwohl es anfangs sinnlos erschien. Und tatsächlich besiegte er einen Gegner nach dem anderen und sicherte sich den zweiten Platz in seiner Kategorie. Mit seiner Geschichte will er andere inspirieren und ermutigen, für ihre Ziele zu kämpfen. Egal, ob im Sport oder anderswo. Fathelbab: „Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder an unsere Grenzen bringen, denn wir wissen nicht, wozu wir fähig sind, bevor wir es nicht versuchen.“