Letztes Update am Sa, 23.11.2019 14:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck-Land

„Sexistisches“ Sujet der Axamer Lizum: Grüne fordern Werbestopp

Für die Tiroler Grünen-Politikerinnen Barbara Neßler und Stephanie Jicha ist die Kampagne der Axamer Lizum „Sexismus in Reinform“, die „im Jahr 2019 nichts verloren hat“. Model Maria Köfler versteht die Aufregung nicht.

Stein des Anstoßes: das aktuelle Sujet der Axamer Lizum.

© Axamer LizumStein des Anstoßes: das aktuelle Sujet der Axamer Lizum.



Innsbruck — Ein aktuelles Werbesujet der Axamer Li­zum regt auf und wird, besonders in sozialen Netzwerken, als unangebracht bezeichnet. Wie berichtet, wurden bereits Beschwerden beim Werberat eingereicht. Für die Tiroler Grünen-Politikerinnen Barbara Neßler und Stephanie Jicha ist die Kampagne „Sexismus in Reinform", die „im Jahr 2019 nichts verloren hat". Sie fordern die Betreiber auf, diese zurückzuziehen.

Zur Erinnerung: Auf einem Werbesujet der Axamer Lizum ist eine Frau abgebildet, die in den Träger ihres Shirts beißt und die Brust herausstreckt. Daneben steht: „Perfekt präpariert! Die olympische Damenabfahrt wartet auf dich."

Viele Unternehmen agieren laut Landtagsvizepräsidentin Jicha inzwischen umsichtig, „aber es gibt leider immer noch Unbelehrbare, die meinen, mit Sexismus für Aufregung und zusätzliche Reichweite zu sorgen". Die grüne Tourismussprecherin und Nationalratsabgeordnete Neßler ergänzt: „Skigebiete mit Sexismus zu bewerben, anstatt über neue Tourismuskonzepte nachzudenken, ist mehr als nur ein Schritt zurück."

Model versteht Aufregung nicht

Mittlerweile hat sich auch das auf dem Werbesujet abgelichtete Model — die Tiroler Künstlerin Maria Köfler — zur Kampagne geäußert. Sie habe sich bewusst für den Auftrag entschieden, „weil ich es wollte und weil mich eure Reaktion interessiert hat", heißt es in einem ausführlichen Statement auf Facebook.

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Köfler äußerte Kritik am "heutigen Verständnis von Feminismus". Es sei „wie ein zu eng sitzendes Korsett, das zum gar nicht mehr heimlichen Dresscode von selbsternannten Feministinnen wie ein Siegerfähnchen stolz spazieren getragen wird". "Selbsternannte Feministinnen, die sich aufmerksamkeitsringend die weitesten Hosen und den ausgewaschensten Schlabberpullover zur Schau tragen, brüsten sich als die neuen Schiedsrichter zum Thema Feminismus und bemerken dabei nicht, dass die Selbstbestimmung der Frau in all ihren Facetten stets das höchste Ziel des Feminismus war", heißt es weiter.

Der geballte Aufschrei und das Entsetzen seien Zeugnis einer Prüderie und einer „Unaufgeschlossenheit, die wir doch dachten, vor Jahrzehnten abgelegt zu haben". Über das Ergebnis lasse sich streiten, die Grundidee der Kampagne sei jedoch eine „kreativ-schöne" gewesen, die Körperlichkeit feiere, ohne dabei in die banale Ästhetik eines Busenblitzers abzugleiten.

Es wäre laut Köfler jedenfalls nicht das erste Mal, dass menschliche Körper und Bergsilhouetten verglichen werden und auch nicht das erste Mal, dass Frauen (und auch Männer) ihre Körper gezielt einsetzen, um Produkte zu bewerben. „Doch im Endeffekt sollte es für unsere Gesellschaft eine Rolle spielen, welches Bild der Frau beim Betrachten suggeriert wird", so Köfler. „Ein naiv- unmündiges Opfer- eher nicht. Eine Femme Fatale — nein — ich glaube keines der Stereotypen wird hier bedient", schreibt die Künstlerin. Viel mehr sei eine natürliche, weltoffene, kecke, neugierige Frau zu erkennen, die sich ihrer Körperlichkeit nicht schämt, sondern entgegen der Prüderie der Zeit für einen natürlichen Umgang mit dieser einsteht. (bfk, TT.com)