Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.11.2019


Bezirk Landeck

Höllische Gesellen unter verschärfter Aufsicht in Zams unterwegs

420 Krampusse, Tausende Zuschauer — Zams startete in die Krampussaison. Für Veranstalter wird das immer mehr zur Gratwanderung.

4500 bis 5000 Zuschauer verfolgten gestern den Umzug mit 420 Krampussen in Zams.

© Zangerl4500 bis 5000 Zuschauer verfolgten gestern den Umzug mit 420 Krampussen in Zams.



Von Matthias Reichle

Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
- Zangerl

Zams — Rauch, Feuer und dazwischen furchterregende Hörner und Fratzen — als hätte sich mitten in Zams das Tor zur Hölle geöffnet. Ruten klatschten auf die Oberschenkel kreischender Zuschauer, die sich an den Straßenrand drängen. Es sind Tausende, die sich gruseln wollen. Rund 420 Krampusse aus 21 verschiedenen Vereinen zogen gestern durch Zams. Der Umzug gehört zu den größten in Tirol. Ein Festzelt für 1200 Besucher, sieben Verpflegungsstände, ein eigenes Drehbuch und ein „Regisseur" für die Abschlussshow sind fixer Bestandteil. Seit Jahren gibt es in ganz Tirol einen regelrechten Krampus-Boom. Die Umzüge finden schon Wochen vor dem eigentlichen Termin statt, damit sich die zahlreichen Verein­e besuchen können.

Einer, der darin kein End­e sieht, ist der Zamme­r Oberkrampus Florian Thurner. Er muss sich selbst manchmal wundern — „jedes Jahr kommen neue Leute". Auch bei den Zuschauern. Heuer schätzten die Veranstalter 4500 bis 5000 Besucher. „Das Dorfzentrum ist pumpvoll." Seit April plant der Verein den Umzug — im Herbst gibt es keinen Tag ohne Vorbereitungen. 120 freiwillige Helfer machen das Fest erst möglich, zudem gebe es einen unglaublichen Rückhalt im Dorf, auch durch Sponsoren. Traditionell im Sinne von Nikolaus und Krampus sei das alles aber nicht mehr, sagt auch Thurner — „aber vielleicht ist es eine neue Tradition. Ich glaube, dass das bleibt. Das kommt auch auf die Behörden an." Mit der Größe der Veranstaltungen steigen auch die Auflagen: Ein 40-seitiges Sicherheitskonzept und 20 Securitys fürs Zelt sind ein Muss, dem Verein wird zusätzlich eine besondere Überwachung durch die Polizei vorgeschrieben und auch die Rettung müsse man zahlen.

Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
- Zangerl

In Reutte wurde der Krampusumzug heuer auf Druck der Behörden abgesagt — es gab 2018 zu viele Übertretungen. Dass es mehr und vor allem größere Veranstaltungen werden, bestätigt man auch an der Bezirkshauptmannschaft Landeck — nicht von den Krampussen her, aber von den Zuschauerzahlen. Die Umzüge und Shows würden immer aufwändiger. Da sei man hinsichtlich der Sicherheit sehr dahinter. Wo es immer wieder Auswüchse gibt, seien Alkohol­exzesse. Probleme würden aber nicht von den Veranstaltern, sondern mehr von den Zuschauern kommen.

In Zams hatte man im letzten Jahr nur mit Anzeigen nach dem Jugendschutzgesetz zu tun. Das sei mitunter sehr schwer zu kontrollieren, wem man Alkohol ausschenken darf, zudem seien vor allem Freiwillige an der Bar, so Thurner. Er lobt die Zusammenarbeit mit der Polizei, die Vorschriften sind für ihn aber manchmal auch überschießend. Wie man kontrolliert, dass 1200 Menschen im Zelt nicht rauchen, sei so eine Frage. Man sei aber, was die Vorbereitungen betrifft, ein eingespieltes Team. Beim Umzug marschieren ein bis zwei Ordner pro Gruppe mit — und erteilen auch Verweise. Jeder Krampus ist namentlich registriert und trägt eine Nummer — viele Beschwerden gebe es aber nicht. „Vier bis fünf Gruppen stehen bei uns auf der schwarzen Liste, weil man weiß, dass die sich nicht aufführen. Das ist Selbstschutz." Das Schlagen gehöre dazu, so Thurner — „aber human".

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Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
Eindrücke vom Krampuslauf in Zams.
- Zangerl



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