Letztes Update am Di, 26.11.2019 15:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

In NS-Zeit 12.000 Kinder gerettet: Denkmal für Tirolerin in Belgrad

In Erinnerung an die 1978 verstorbene Diana Budisavljevic, geborene Obexer, wird ein Denkmal in der serbischen Hauptstadt errichtet. Sie rettete tausende Kinder aus den kroatischen Ustascha-Lagern.

Die Innsbruckerin erkannte die Not und initiierte eine Hilfsaktion.

© Nachlass/TyroliaDie Innsbruckerin erkannte die Not und initiierte eine Hilfsaktion.



Belgrad, Wien – Eine Tirolerin, die im Zweiten Weltkrieg in Kroatien 12.000 Kinder aus den Lagern der faschistischen Ustascha gerettet hatte, bekommt nun ein Denkmal in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Wie der stellvertretende Bürgermeister Goran Vesic am Dienstag ankündigte, soll das Denkmal für die Diana Budisavljevic, geborene Obexer, am rechten Save-Ufer in Belgrad errichtet werden.

Die 1891 in Tirol geborene Diana Obexer hatte den serbischen Chirurgen Julije Budisavljevic geheiratet und kam 1919 nach Zagreb, wo ihr Mann einen Posten an der neu gegründeten medizinischen Fakultät erhielt. Ihre Rettungsaktion während des Zweiten Weltkrieges startete am 17. März 1942, als sie die ersten 80 Kinder aus dem KZ Loborgrad nach Zagreb brachte.

Kinder aus KZ Jasenovac gerettet

Bei ihren Rettungsaktionen zögerte die Tirolerin nie, auch ihre vor dem Krieg aufgebauten gesellschaftlichen Kontakte in Anspruch zu nehmen. Budisavljevic gelang es somit, auch Kinder aus dem KZ Jasenovac zu retten, in das nicht einmal deutsche Soldaten Zutritt hatten. In Jasenovac wurden zwischen 1941 und 1945 nach unterschiedlichen Angaben zwischen mehreren zehntausend bis zu einigen hunderttausend Serben, Roma, Juden und kroatische Antifaschisten grausam ermordet.

Diana Budisavljevic.
Diana Budisavljevic.
- Holocaust Memorial Museum

Nach Kriegsende kehrte Diana Budisavljevic nach Innsbruck zurück, wo sie am 20. August 1978 starb. Historiker aus Ex-Jugoslawien begannen sich erst vor wenigen Jahren für das Werk von Diana Budisavljevic zu interessieren. Anlass lieferte die Veröffentlichung ihrer Kriegserinnerungen. Das „Tagebuch von Diana Budisavljevic 1941-45“ wurde von ihrer Enkelin Silvija Sabo 2003 in Zagreb herausgegeben. 2012 war Diana Budisavljevic von damaligem serbischen Präsidenten Boris Tadic posthum ausgezeichnet. In Anspielung auf den deutschen Industriellen und Judenretter Oskar Schindler wird Budisavljevic auch als die „serbische Schindler“ bezeichnet. (TT.com, APA)