Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.11.2019


Osttirol

Optimismus und Stille bei Rednern der Klimademo in Lienz

Unter den prominenten Rednern bei der „Fridays For Future“-Kundgebung in Lienz war auch Bischof Hermann Glettler.

Bischof Hermann Glettler rief die Teilnehmer der Klimademonstration in Lienz zur Vernetzung mit allen Menschen auf.

© Alexandra KratschBischof Hermann Glettler rief die Teilnehmer der Klimademonstration in Lienz zur Vernetzung mit allen Menschen auf.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Ein lautstarker Umzug unter Trommelwirbel und Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ in der Lienzer Innenstadt mündete gestern in fünf Minuten Schweigen.

Schon der Auftakt der Kundgebung am Egger-Lienz-Platz war getragen vom Aufruf zur Zusammengehörigkeit. Bischof Hermann Glettler wandt­e sich an die Zuhörer und drückte seine Unterstützung aus: „Gemeinsam können wir viel erreichen.“ Der Demonstrationszug aus einigen hundert Teilnehmern setzte sich in Bewegung, machte eine Runde über die Rosengasse zum Johannesplatz. Dort lud Martin Lamprecht zu einem Innehalten für fünf Minuten, dem die Demonstranten, zum Teil mit geschlossenen Augen, andächtig folgten.

Blind Climber Andy Holzer war erst von einem Vortrag in der Führungsetage eines deutschen Konzerns zurückgekehrt und betrat die Bühne: „Was ich den Leuten dort gesagt habe, sage ich auch euch: Wir haben alle Voraussetzungen und verharren dennoch in Stagnation. Es fehlt uns an der Notwendigkeit.“ Er halt­e es mit dem Bischof: „Wir brauchen uns alle gegenseitig. Es steht nicht so schlecht um die Welt. Wir haben eine gute Chance.“

Wolfgang Retter, österreichweit bekannt als Umweltaktivist, sprach von Zorn und Optimismus: „Zornig bin ich auch als Vater, weil seit Jahrzehnten die Wissenschaft mit ihren Warnungen ignoriert wird.“ Nach dem Mott­o „Was unbequem ist, darf nicht sein“. Zugleich mache ihn die Initiative der jungen Menschen optimistisch: „Ihr seid es, die eure und unser aller Zukunft in die Hand nehmt. Die Jugend nimmt die Wissenschaft als Maßstab.“ In den letzten Monaten sei etwas Besonderes geschehen. „Die katholische Kirche hat sich des Umweltschutzes angenommen. Es besteht ein Kraftdreieck aus Forschung, Glaube und Jugend.“ Bürgermeisterin Elisabeth Blanik erinnerte an den Stromausfall vor zwei Wochen: „Es fängt bei jedem Einzelnen an.“

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