Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.12.2019


Teil 2

Die gute Geschichte zum Advent: Liebe zur Musik und zum Leben

Bereits in jungen Jahren verlor Jakob Bergmann sein Augenlicht. Heute baut er hobbymäßig Instrumente.

Trotz seiner Erblindung steht Jakob Bergmann regelmäßig in seiner Werkstatt und baut Instrumente.

© Caritas/SuitnerTrotz seiner Erblindung steht Jakob Bergmann regelmäßig in seiner Werkstatt und baut Instrumente.



Innsbruck – „Ich bin keiner, der Mitleid haben will, weil man in Österreich mit einer Behinderung sehr viele Chancen hat und es auch andere Menschen nicht immer leicht haben“, beginnt Jakob Bergmann die Erzählung über sein Leben. Der gebürtige Osttiroler wurde in Außervillgraten als eines von fünf Kindern geboren. Sein Vater war Polier, seine Mutter Hausfrau und Schneiderin. Jakob und seine vier Geschwister erlitten alle dasselbe Schicksal. Sie sind sehend auf die Welt gekommen und haben circa ab dem zwölften Lebensjahr aufgrund einer erblich bedingten Netzhauterkrankung immer stärker an Sehkraft verloren, heute sind sie fast gänzlich blind. Für Jakob begann ein Leben, das für viele kaum vorstellbar ist, hadern will er mit seinem Schicksal dennoch nicht: „Dadurch, dass die Sehkraft langsam nachgelassen hat, konnte ich mich darauf über die Jahre einstellen. Durch ständig neue Herausforderungen und Aufgaben habe ich damit umzugehen gelernt.“

Vor allem die Musik stärkte das Selbstbewusstsein des späteren Ziachorgel-Weltmeisters auf der Steirischen. Jakob ging noch weiter und begann, selbst Instrumente zu bauen. Auskünfte über Baumöglichkeiten holte er sich dabei von seinem Freund und Instrumentenbauer Hermann Erlacher, umgesetzt hat Jakob Bergmann alles selbst: „Ein Sehender kann seine Ideen am Holz vorzeichnen, ich muss mir Schablonen bauen, damit ich die Arbeitsschritte ausführen kann.“ Einige Kontra-Akustik-Bässe und Jazz-Western-Gitarren hat der heute 46-Jährige bereits gefertigt. Dabei hat Bergmann seine eigene Art von Instrumenten entwickelt, ohne andere nachzubauen. Damit dies gelingt, hat er sich sehr viel Wissen angeeignet: „Ich musste Material abtasten, Klänge hören und Auskünfte über die Bauart einholen, um daraus mein eigenes Ideal zu entwickeln. Dazu braucht es eine gewaltige Vorstellungskraft.“

Dies ist auch eines der großen Talente von Jakob. Hauptberuflich ist der Vollblut-Musiker seit 30 Jahren als Beamter in der Telefonzentrale der Universität Innsbruck beschäftigt. Die Liebe zur Musik teilt er mit seinen beiden Söhnen Jakob und Michael, die selbst mehrere Instrumente spielen. Gemeinsam mit Gattin Sabine tritt die gesamte Familie bei Veranstaltungen mit den eigenen Instrumenten auf. (TT)

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