Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Teil 3

Die gute Geschichte zum Advent: Hingabe kennt keine Altersgrenzen

Die pensionierte Religionslehrerin Maria Kecht (92) setzt sich seit ihrer Jugend für ihre Mitmenschen ein. Trotz ihrer schwierigen Jugendzeit ließ sie sich nie vom Glauben und ihrem Engagement abbringen.

Maria Kecht (Haussammlerin): "Zuerst war ich katholisch als Opposition gegen Hitler, später dann aus Überzeugung."

© Caritas/SuitnerMaria Kecht (Haussammlerin): "Zuerst war ich katholisch als Opposition gegen Hitler, später dann aus Überzeugung."



Innsbruck – „Wenn du mich brauchst, mach’ ich halt noch weiter.“ Diese Worte spricht die 92-jährige Maria Kecht jeden Tag am Morgen zu Gott. Der Glaube gibt ihr Kraft, sich trotz ihres stolzen Alters aufopferungsvoll um ihre Mitmenschen zu kümmern.

In der Hauptschule Hötting-Fürstenweg war Kecht bis ins Jahr 1987 als Religionslehrerin und in der Pfarre Petrus Canisius als Pastoralassistentin beschäftigt. Nach der Pensionierung war sie weiterhin bis 2003 freiwillig in ihrem Job in der Pfarre tätig. Dabei war sie vor allem für karitative Angelegenheiten verantwortlich. Die Jugendarbeit fiel in ihr Aufgabengebiet, sie organisierte Frauenrunden und das Freiwillige Soziale Jahr, besuchte Arbeitslose, Arme und Trinker zu Hause. Sie ist in Lechaschau geboren und wuchs in einer religiösen Familie auf, die sich sozial und kirchlich sehr engagiert hat.

Als die Nazis in Österreich einmarschierten, sah sich die Familie gefährdet: „Beim Anschluss hat mein Vater geweint. Bereits in den Jahren davor gingen wir mit unserem Rucksack schlafen, falls wir bei einem Einmarsch deutscher und österreichischer Soldaten flüchten müssen.“

Nach dem Anschluss habe der Vater den Kindern verboten, außer Haus zu tragen, was in der Familie besprochen wird. „Ich hatte bei meinen Freundinnen Angst, über Politik zu diskutieren.“ Familie Kecht hat sich um Pflegekinder gekümmert und sich weiterhin in der Kirche eingebracht.

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Trotz ihrer schwierigen Jugendzeit ließ sich Maria Kecht nie vom Glauben und ihrem Engagement abbringen – „aus christlicher Nächstenliebe“, wie sie heute sagt: „Zuerst war ich katholisch als Opposition gegen Hitler, später dann aus Überzeugung.“

Heute ist Kecht immer noch als Caritas-Haussammlerin aktiv, stattet einsamen Menschen Besuche ab und ist jederzeit per Telefon für Gespräche erreichbar. (TT)