Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.12.2019


Teil 4

Die gute Geschichte zum Advent: Eintauchen in eine andere Welt

Einen Teil ihrer Freizeit verbringen die Schülerinnen Leonice und Eva mit Menschen mit Behinderung.

Leonice, Nicole, Eva und Renate (von links) genießen einen gemeinsamen Spaziergang.

© SuitnerLeonice, Nicole, Eva und Renate (von links) genießen einen gemeinsamen Spaziergang.



Innsbruck – Leonice und Eva besuchen die 7. Klasse des Akademischen Gymnasiums Innsbruck und spielten schon längere Zeit mit dem Gedanken, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nachdem das Projekt „Zeit schenken“ des Caritas Freiwilligenzentrums und der youngCaritas den beiden mittlerweile Sechzehn- und Siebzehnjährigen vorgestellt wurde, bot sich hierfür die ideale Gelegenheit.

Beim „Zeitschenken“ können Schüler aus verschiedenen Tätigkeiten wie Arbeit in einer Bibliothek, Begleitung von Menschen mit Behinderung oder Engagement im Alters- oder Kinderheim eine auswählen und sich über ein halbes Jahr für zwei Stunden die Woche in der Freizeit einbringen. Leonice wollte schon immer mit Menschen mit Behinderung arbeiten und entschied sich, für das slw Innsbruck, wo es eine Tagesstruktur und Wohngemeinschaften gibt: „Die Aufgabe war für mich komplett neu und ich sah darin eine Chance.“

Auch für Eva war es eine völlig neue Erfahrung. „Am Anfang wusste ich nicht, was ich reden sollte oder machen darf. Die Berührungsängste wurden jedoch schnell abgebaut.“ Die beiden Jugendlichen haben Nicole und Renate zugewiesen bekommen, die sie wöchentlich besuchten. Eva ging mit Renate meist spazieren, danach wurde gemeinsam gegessen, gespielt oder gebacken. Leonice und Nicole waren meist an der frischen Luft unterwegs, malten, bastelten oder haben Brot gebacken.

Zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft, erzählt Leonice: „Wir hatten viel Spaß gemeinsam und Nicole hat sich sehr über meinen wöchentlichen Besuch gefreut. Die Freude war richtig spürbar und obwohl sie ein schwieriges Leben hat, beeindruckte mich, wie sie kleine Dinge schätzt, die wir oft nicht mehr sehen.“ Durch die enge Verbindung hat sich Leonice dazu entschlossen, auch nach dem Ende des Projekts Nicole weiterhin zu besuchen.

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Eva will die Zeit mit Renate genauso wenig missen: „Mich hat es gefreut, wenn ich sie lachen sah, da sie sich sonst nicht so gut artikulieren kann. Auch die Wertschätzung zwischen den Bewohnern hat mich beeindruckt. Ich dachte nie, dass die Lebensfreude so groß sein kann, wenn man körperlich so eingeschränkt ist.“ Vom Einsatz der jungen Damen war neben Nicole und Renate auch slw-Ehrenamtsbegleiter Siegmund Chwojan-Schneeberger begeistert: „Junge Menschen im Einsatz zu sehen, der ihnen Freude bereitet, ist auch für uns eine Freude – ganz besonders dann, wenn sie sich auch nach dem Projekt weiterhin engagieren.“ (TT)