Letztes Update am Fr, 06.01.2012 21:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Irak

Neue Welle der Gewalt gegen Schiiten im Irak – Dutzende Tote

Bei mehreren Bombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad und im Süden des Landes sind am Donnerstag nach offiziellen Angaben zumindest 59 Menschen getötet worden.



Bagdad – Eine neue Serie von Anschlägen erschüttert den Irak. In Bagdad explodierten am Donnerstag vier Sprengsätze in überwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln. In der Nähe der Stadt Nassiriya im Süden attackierte ein Selbstmordattentäter schiitische Pilger an einer Kontrollstelle der Polizei.

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29 Tote allein in Bagdad

Die Behörden bezifferten die Zahl der Todesopfer in Bagdad auf 29. Allein im Stadtteil Kadhimiya habe es 16 Tote gegeben. Dort zündeten unbekannte Täter zwei Autobomben. 13 weitere Menschen wurden den Angaben zufolge im Armenviertel Sadr City getötet. Einem Polizisten zufolge explodierte dort ein Sprengsatz auf einem Motorroller, der nahe einer Gruppe von Tagelöhnern geparkt war. Die Explosion war so gewaltig, dass die Straße an der Stelle aufgerissen wurde. Die Polizei fand nach eigenen Angaben zwei weitere Sprengsätze und konnte diese entschärfen.

Der schiitische Vorort Sadr City ist eine der ärmsten Gegenden in der irakischen Hauptstadt. Er gilt als Hochburg des radikalen Klerikers Muktada al-Sadr, dessen Miliz in den vergangenen Jahren gegen die irakische Regierung und die US-Besatzungstruppen gekämpft hatte. Er gilt nun als Verbündeter von Ministerpräsident Nuri al-Maliki.

Bei dem Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger wurden wenig später mindestens 30 Menschen getötet. Zudem gab es mindestens 70 Verletzte, wie die Behörden in Nassiriya mitteilten. Die Explosion ereignete sich an einer Polizeikontrollstelle westlich der Stadt.

Spannungen seit Abzug der US-Truppen

Seit dem Abzug der US-Truppen haben die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak zugenommen. Seither sind bei Anschlägen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Der schiitische Ministerpräsident Maliki versuchte, zwei sunnitische Politiker aus dem Amt zu drängen. So soll Vizepräsident Tarek al-Hashemi wegen einer mutmaßlichen Verwicklung mit Todeskommandos festgenommen werden. Hashemi weist die Vorwürfe von sich. Angesichts der Auseinandersetzung boykottierte das Irakiya-Bündnis am Dienstag Kabinetts- und Parlamentssitzungen. Die Gruppe wird auch von Sunniten getragen. Wegen Auseinandersetzungen zwischen den religiösen Gruppen stand der Irak in den Jahren 2006 und 2007 am Rande eines Bürgerkrieges.(APA/Reuters)




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