Letztes Update am Mi, 06.06.2012 07:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Luka Rocco Magnotta: Vom Callboy zum grausamen Mörder

Der 29-jährige Kanadier soll seinen Liebhaber ermordet und zerstückelt haben und einen Film von der Tat ins Internet gestellt haben. In Berlin wurde er am Dienstag verhaftet.

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Berlin/Montreal – Von nett bis gruselig, still bis süchtig nach Aufmerksamkeit, freundlich bis wahnsinnig: Menschen, die Luka Rocco Magnotta getroffen haben, könnten den 29-Jährigen, der seinen Freund grausam getötet und zerstückelt haben soll, nicht unterschiedlicher beschreiben. Nur langsam zeichnet sich ein Bild von dem Mann ab, der die ganze schreckliche Bluttat als Video im Internet veröffentlich haben soll.

Stricher, Stripper, Porno-Darsteller und Model

Seine Eltern gaben ihm den Namen Eric Clinton Newman. Er wuchs in Scarborough, Ontario, auf. Laut Medienberichten hinterließ er bei seinen Schulkameraden keinen bleibenden Eindruck. 2004 geriet der damals 22-Jährige zum ersten – und bis jetzt auch letzten Mal – mit dem Gesetz in Konflikt: Er wurde in Toronto wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Unter anderem hatte er mit der Kreditkarte einer Frau 16.500 Kanadische Dollar ausgegeben. Zwei Jahre später änderte er seinen Namen zu Luka Rocco Magnotta.

Schon damals arbeitete er als Porno-Darsteller, Model und Callboy – getrieben vielleicht auch von seiner Obsession, ins Rampenlicht zu treten. „Mit 20 habe ich angefangen. Ich war in Los Angeles und habe Webshows gemacht. Ein Agent sprach mich an und erklärte mir das Geschäft“, sagte Magnotta in einem Artikel, der auf nowpublic.com veröffentlicht wurde. Demnach drehte er mehr als zwölf Pornos und erschien in mehreren Magazinen unter verschiedenen Künstlernamen.

Unter dem Pseudonym „Angel“ arbeitete er in einer bekannten Schwulenbar in Toronto als Stricher und Stripper. Seine Kunden suchte er sich auch im Internet. Gleichzeitig gab er sich auf diversen Partnerschaftsseiten als Mann aus, der eine langfristige Beziehung suche. So wandlungsfähig wie seine Internetprofile war auch sein Aussehen. Er unterzog sich Schönheitsoperationen - angeblich, weil er wie James Dean aussehen wollte. Er färbte sich seine dunklen Haare oder trug Perücken. Oft trug er auch Lippenstift und Make-up.

Privater Bankrott

Die Transsexuelle Nina Arsenault sagte, sie habe eine Beziehung mit Magnotta gehabt. Er sei ein „pathologischer Lügner“, der „alles dafür tun würde, berühmt zu werden“, sagte sie gegenüber Torontos City News. 2007 geriet er dann auch kurz in die Schlagzeilen. Im Internet waren Gerüchte aufgetaucht, er habe eine Beziehung zur kanadischen Serienmörderin Karla Homolak. „Ich bin nie mit Karla ausgegangen, ich kenne sie nicht einmal“, erklärte Magnotta damals in einem Interview mit der Toronto Sun. Er habe Todesdrohungen bekommen und Modelaufträge verloren. Die „Schmutzkampagne“ würde sein Leben zerstören. Schon damals gab es den Verdacht, Magnotta habe die Gerüchte selbst gestreut, berichtet nun The Montreal Gazette.

Wenige Monate später tauchte er in einem Beitrag auf Naked News auf. In einem zehnminütigen Interview sprach er über sein Leben als Callboy. Er schwärmte von der Freiheit des Jobs und dem Geld, das er verdiente. So viel konnte es aber nicht gewesen sein, denn im selben Jahr meldete er privaten Konkurs an. 17.000 Dollar Schulden standen null Dollar Einkommen gegenüber.

„In naher Zukunft werden Sie wieder von mir hören“

Sein Wesen wurde in den folgenden zwei Jahren offenbar immer düsterer – doch konnte er es meist verbergen. „Er wirkte wie ein wirklich netter Typ, ehrlich“, sagte der Hausverwalter seiner letzten Wohnung gegenüber The National Post. Einen Nachbar, mit dem er sich öfter unterhalten hatte, lud er in sein Appartement ein. „Zum Glück bin ich nicht hingegangen.“

2010 und 2011wurde Magnotta schließlich verdächtigt, Videos ins Netz gestellt zu haben, in denen Kätzchen grausam gequält und getötet wurden. Wieder wandte er sich zunächst an die Presse, um seine Unschuld zu beteuern. „Es schien als würde ihn die Aufmerksamkeit ein bizarres Vergnügen bereiten“, schrieb einer der britischen Journalisten, die ihn damals interviewten.

Als The Sun ihn zu dem zweiten Tiermordfilm befragte, antwortete er angeblich per E-Mail mit den Worten: „In naher Zukunft werden Sie wieder von mir hören. Dann werden die Opfer aber keine kleinen Tiere mehr sein.“

Narzissmus wurde sein Verhängnis

Am 25. Mai tauchte dann auf einer einschlägigen Internetseite das grausame Video des Mordes auf. Der Titel: „1 Lunatic 1 Ice Pick“ („Ein Wahnsinniger, ein Eispickel“). Der Huffington Post liegt eine Kopie des zehnminütigen Films vor. Die Bilder seien aber zu grausam, um sie zu zeigen, heißt es in dem Artikel. Detailliert sei demnach zu sehen, wie das Opfer getötet werde und sich der Täter an der Leiche vergehe.

Nachdem der Torso des Mordopfers in einem Koffer nahe seiner Wohnung gefunden wurde, wurde Magnotta schnell zum Hauptverdächtigen. Zum Verhängnis wurde dem 29-Jährigen am Ende sein Narzissmus und sein Wunsch nach Schlagzeilen: Der Angestellte des Internetcafés beobachtete, wie Magnotta Berichte über sich selbst las – und den Interpol-Fahndungsaufruf betrachtete. (smo)




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