Letztes Update am Do, 23.08.2012 16:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Vater des Nuklearprogramms: „Iran baut keine Atombombe“

Wenn das Land wollte, könnte es eine Atombombe bauen, sagte der Wissenschaftler Akbar Etemad im Schweizer Fernsehen.

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Bern – „Der Iran baut derzeit keine Atombombe. Wenn er jedoch wollte, könnte er eine bauen.“ Dies sagte der Vater des iranischen Atomprogramms zu Zeiten des Schah, Akbar Etemad, am Mittwoch in einem Interview mit der Sendung „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens SF.

Die Idee, dass der Iran den Bau einer Atombombe vorantreibe, sei vom Westen erfunden, erklärte der 81-Jährige. „Wir haben in der Vergangenheit nie Vorbereitungen zum Bau einer Atombombe getroffen, Forschungsarbeiten in diesem Bereich waren jedoch in Gange“, sagte der an der Schweizer Universität ETH Lausanne ausgebildete Nuklearwissenschaftler, der von 1974 bis 1978 Chef der iranischen Atomenergiebehörde war.

Der Westen, namentlich Israel und die USA, drängten mit ihren aktuellen Drohungen den Iran jedoch immer mehr dazu, die Bombe tatsächlich zu bauen. Der Iran sage sich: „Wieso haben Israel, Pakistan oder Indien das Recht, die Bombe zu haben, und wir nicht?“ Hätte der Iran jedoch die Bombe wirklich bauen wollen, so wäre dies schon längst gemacht worden, erklärte Etemad.

Da der Westen dem Iran die Technologie für ein friedliches Atomprogramms nicht habe geben wollen, müsse der Iran sich eben selbst helfen. Ob dieses Know-how zum Bau einer Atombombe genutzt werde, hänge im Wesentlichen davon ab, wie stark sich der Iran von Israel oder den USA bedroht fühle. „Wenn der Westen nicht mit Iran kooperiert, drängt er den Iran immer mehr zum Bau der Bombe“, sagte Etemad weiter. Die internationalen Sanktionen dürften nicht aufrechterhalten werden. Sie seien keine Lösung, vielmehr trieben sie den Iran nur noch weiter in die Enge.

Eine Lösung des Konflikts sieht er in der Beschaffung von nuklearen Brennstoffen zur Betreibung eines friedlichen Atomprogramms in anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich. In den 70er Jahren habe es einmal eine entsprechende Vereinbarung zwischen Frankreich und dem Iran gegeben, sie sei jedoch nach der Islamischen Revolution im Iran (1979) vom französischen Präsidenten Francois Mitterand (1981-95) wieder zurückgenommen worden.

Israel oder die USA könnten den Iran jedoch nie angreifen, ist sich Etemad sicher. „Der ganze Nahe Osten würde in ein Chaos gestürzt, was schließlich auf die beiden Länder zurückfallen würde.“ In erster Linie sei eine Atombombe ja zu Verteidigungs- und Abschreckungszwecken da, und nicht, um anzugreifen.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad habe überdies nie gesagt, er wolle Israel von der Landkarte ausradieren. Er habe nur gesagt, Israel werde sowieso verschwinden, da das Land sich am falschen Ort befinde. Gerade dieses Beispiel zeige, dass der Westen den Iran völlig missverstehe und zwar absichtlich.

Etemad hatte den Iran im Jahr 1979 verlassen und kehrte 2001 wieder in seine Heimat zurück. Die Regierung im Iran hatte ihn zu diesem Schritt eingeladen. Etemad seinerseits hatte für seine Rückkehr ausdrücklich zur Bedingung gemacht, dass er nichts mehr mit Atomenergie zu tun haben müsse. (APA/sda)




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