Letztes Update am Mi, 10.10.2012 21:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Taliban-Angriff

14-jährige Friedensaktivistin nach Kopfschuss in ernstem Zustand

Bei einem hinterhältigen Attentat in Pakistan wurde die junge Bloggerin und Friedenspreisträgerin Malala Yousafzai schwer verletzt. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.

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Peshawar - Die 14-jährige Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai wurde in Pakistan Opfer eines hinterhältigen Angriffs der Taliban. Im unruhigen Nordwesten des Landes war die Jugendliche am Dienstag auf dem Schulweg in den Kopf geschossen worden. Yousafzai gelangte durch kritische Blogs über die radikal-islamische Bewegung in ihrer Heimat zu Bekanntheit.

Wie durch ein Wunder überlebte das Mädchen das Attentat. Sie wurde im Militärkrankenhaus Peshawar notoperiert. Am Mittwoch teilten Ärzte mit, dass ihr Zustand weiter ernst sei. Am Vortag hatten die erstbehandelnden Ärzte einer anderen Klinik erklärt, Yousafzai sei außer Lebensgefahr. Die Kugel hätte ihr Gehirn verfehlt.

Ein Militärsprecher sagte, ein Ärzteteam sei auf dem Weg zum Krankenhaus, um festzustellen, ob die Kinderrechtsaktivistin eine Behandlung im Ausland benötige. Die staatliche Fluglinie Pakistan International Airlines stellte nach eigenen Angaben eine Maschine auf dem Flughafen von Peshawar bereit. Möglicherweise sollte Yousafzai in einer Klinik in Dubai behandelt werden.

Taliban bekennen sich zu Attentat

Die Jugendliche saß am Dientag laut Angaben der Polizei in einem Schulbus, als ein Mann diesen stoppte. Der Attentäter stieg in den Bus feuerte drei Mal auf Yousafzai. Eine Kugel habe sie in den Kopf getroffen, die zweite sei in die Schulter einer Schulfreundin eingedrungen und die dritte habe ein weiteres Mädchen am Bein verletzt.

Der Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan erklärte, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. „Sie ist ein westlich gesinntes Mädchen. Sie kritisiert uns immer. Wir werden jeden angreifen, der die Taliban kritisiert“, sagte der Sprecher. Sie hätten sie mehrfach gewarnt.

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Angriff und betonte, er werde den Willen zum Kampf gegen die Taliban nicht schwächen. Der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, rief zu einer großangelegten Offensive gegen Extremisten auf. „Malala wurde angegriffen, weil sie eine Friedensikone ist“, sagte Hussain. „Sie hat hart gekämpft, um eine Ausbildung zu bekommen, und sie hat für den Frieden gearbeitet.“

Bericht auf BBC, Auftritte in Dokus

Die Jugendliche war bekannt geworden, als sie vor drei Jahren auf einer Internetseite des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban im Swat-Tal berichtete. Später trat sie auch wiederholt in Dokumentationen auf. Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.

Die Taliban hatten 2007 unter Führung des radikalen Geistlichen Maulana Fazlullah das Swat-Tal unter ihre Kontrolle gebracht. Zahlreiche Mädchenschulen wurden geschlossen und zerstört, bevor die Armee in einer blutigen Offensive die Extremisten aus dem Tal vertrieb, das wegen seiner Schönheit lange ein beliebtes Reiseziel war. In den vergangenen Jahren hat sich die Lage weitgehend stabilisiert, doch trauen sich noch immer nur wenige Touristen in das Tal.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Dienstag, der Angriff auf Malala werfe ein Licht auf das „extrem gefährliche Klima“ für Menschenrechtler im Nordwesten Pakistans. Besonders weibliche Aktivisten lebten unter der „stetigen Bedrohung durch die Taliban und andere militante Gruppen“. (APA/AFP)




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