Letztes Update am Sa, 05.01.2013 07:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien

Waffen, Geld und Know-how - Wie lange spielt der Iran noch mit?

Wachsender Unmut in der iranischen Bevölkerung über die Geldspritzen für Assad.

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Von Arian Faal

Beim wichtigsten Verbündeten des zunehmend vom Untergang bedrohten syrischen Regimes wachsen innerhalb der Bevölkerung die Zweifel, ob sich die fortwährende Unterstützung des umstrittenen Präsidenten Bashar al-Assad noch lohnt. Der wegen seines Atomprogramms mit internationalen Sanktionen belegte Iran befindet sich finanziell selbst in der Bredouille.

Der weltweit isolierte syrische Machthaber hält sich mit seinem engsten Kreis fast nur noch in Bunkern und Schutzräumen auf, tritt kaum in der Öffentlichkeit auf und wechselt aus Angst vor Anschlägen ständig seinen Aufenthaltsort.

Längst hat das Chaos sein Land erfasst, die Minister regieren aus ihren Festungen heraus, westliche Fluglinien fliegen Damaskus, Aleppo und andere syrische Flughäfen seit Wochen nicht mehr an. Die Syrian Arab Airlines, in Europa teilweise mit Flugverbot belegt, plant zwei alte Boeing 747 SP Flugzeuge wieder vom Abstellgleis für den Linienbetrieb zu adaptieren, da die Flotte mit nur 24 Flugzeugen aufgrund der westlichen Sanktionen nicht immer voll betriebsfähig ist.

Noch hält Iran kompromisslos zu Assad

Während tägliche Bombardements der Rebellen auf Regierungsinstitutionen und heftige Gegenschläge der syrischen Militäreinheiten den Alltag prägen, bleiben Assad nur noch wenige Freunde und Verbündete. Zum einen sind dies Russland und China, die vom Status eines Verbündeten zu einem „Dulder“ von Syriens Führung geworden sind und sich lediglich gegen eine Absetzung Assads aussprechen. Zum anderen ist es Syriens engster und wichtigster strategischer Partner, der Iran. Der schiitische Gottesstaat hält offiziell weiterhin mit aller Konsequenz zum Machthaber in Damaskus.

Da wundert es nicht, wenn am Donnerstag sowohl hochrangige iranische als auch syrische Politiker von der „Notwendigkeit einer weiteren Intensivierung der Kontakte zwischen Teheran und Damaskus“ gesprochen haben. Was damit wirklich gemeint war, ist klar: Waffen, Geld, Know-how zur Überwachung von Internet und Telefonen und jede Menge personeller Ressourcen - all dies hat die Führung des Iran in den letzten Monaten nach Damaskus geschickt. Doch die ausgestreckte eigennützige Hand aus Teheran bleibt für die Iraner selbst nicht ohne Konsequenzen und ist selbst innerhalb der Führungsriege nicht unumstritten.

Iranische Bevölkerung zunehmend verärgert

Teile der Bevölkerung machen ihrem Unmut öffentlich Luft: „In Zeiten, wo der Iran westliche Wirtschaftssanktionen von nie da gewesenem Ausmaß kompensieren muss, habe ich kein Verständnis für die Rolle unserer Führung als Krisenfeuerwehr in Syrien. Und das alles nur zum Erhalt des aktuellen politischen Systems dort. Sollen wir hungern und unter der Teuerung zugrunde gehen, während unser immer wertloser werdendes Geld in Damaskus verpulvert wird?“, will eine verärgerte junge Iranerin im Gespräch mit der APA wissen.

In iranischen Regierungskreisen wird die Syrien-Strategie mit folgendem Argument verteidigt: „Wenn Assad gestürzt wird, wird das Land in ein Chaos schlittern und die Feinde werden sich dann nach Syrien direkt den Irak und den Iran vornehmen“, so die Erklärung aus dem Außenamt. Unterdessen bittet Damaskus fast täglich eindringlich um noch mehr iranische Hilfe.

Wie lange Teheran Assad noch so tatkräftig unterstützen kann, ist allerdings fraglich, denn das Regime bekommt die Sanktionen so stark zu spüren, dass Arbeitslosigkeit und Inflation Höchstwerte erreichen und durch die Verluste wegen fehlender Ölexporte auch keine Besserung in Sicht ist. Noch dazu wird im kommenden iranischen Jahr - das am 21. März beginnt - im Juni ein neuer Präsident gewählt. Die Kandidaten werden daher bestrebt sein, der Bevölkerung keine weiteren Belastungen zuzumuten, vor allem nicht in Form fragwürdiger Hilfe für einen fragwürdigen Partner. (APA)




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