Letztes Update am Sa, 14.09.2013 12:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Fast Hälfte der Trennungskinder hat keinen Kontakt zum Vater

Kein Kontaktrecht, keine gemeinsame Obsorge: Nach drei Jahren Trennung haben 40 % der Kinder keinen Kontakt mehr zum zweiten Elternteil.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Eine neue US-Studie betont die Wichtigkeit von Mutter und Vater: Scheidungskinder kommen mit der neuen Situation besser zurecht und können sich besser entwickeln, wenn beide Elternteile an der Erziehung beteiligt sind.

In der aktuellen US-Studie zeigen diese Kinder etwa weniger emotionale Probleme und ein höheres Selbstwertgefühl. Wichtiger als die neue Lebenssituation sei besonders die Zeit, die Vater und Mutter effektiv mit ihren Kindern verbringen, schreibt der Psychologe Robert Bauserman vom Department of Health and Mental Hygiene des US-Bundesstaates Maryland, im Journal of Family Psychology. Dass Kinder das Bedürfnis „nach einer Beziehung zu Mama und Papa haben und sich nicht entscheiden wollen, bei wem sie nach der Trennung leben“, betont auch die neue Landesleiterin von Rainbows Tirol, Barbara Baumgartner. Es gibt laut Baumgartner natürlich Eltern, die auf der Paarebene zwar große Gefühlsverletzungen erlitten haben, „aber dennoch in erster Linie auf das Wohl der Kinder sehen. Aber oft sieht es leider auch so aus, dass es keine Kontakte mehr zwischen Kindern und Vätern gibt.“ Das bedeutet in Zahlen: „90 bis 95 Prozent der Trennungskinder leben überwiegend bei ihren Müttern. 40 Prozent der Trennungskinder haben bereits nach drei Jahren keinen Kontakt mehr zum zweiten Elternteil, daher fast immer nicht mehr zum Vater“, sagt Baumgartner.

Wenn Kontaktrecht und die gemeinsame Obsorge verweigert bzw. vom Gericht nicht zuerkannt werden, „ist das für die engagierten Väter – und die gibt es – tragisch. Die meisten resignieren dann irgendwann einfach“, weiß Baumgartner. Klar zeigt sich, dass der gemeinsame Weg für das Kind langfristig auch der Mutter zugutekommt. „Wenn die Väter mit ihren Kindern Freizeit wie Alltag teilen dürfen, entlastet das auch die Mütter und sie erleben eine spürbare Erleichterung.“ Oft gehe es nur darum „den Müttern die Ängste zu nehmen. Manche fürchten, dass ihr Kind sich von ihnen abwenden könnte, weil es vielleicht den Papa lieber mag. Das ist aber falsch. Je mehr man loslässt, desto eher bleiben die Kinder, und das sogar bis zum Erwachsenenalter“, so Baumgartner.

Normal sei, dass Kinder traurig sind, weil die Eltern nicht mehr zusammenleben. „Das ist die erste Krise des Lebens und wenn man die gut meistert, geht man gestärkt daraus hervor.“ Wird das Kind aber in die Paarprobleme einbezogen oder fühlt es sich sogar mitschuldig an der Trennung, „können Kinder mit Bettnässen, schulischer Verweigerung Aggression oder ein In-sich-Zurückziehen reagieren“. Sind die Verletzungen groß, sind auch Spätfolgen wie „Selbstwertminderung oder Probleme in eigenen Beziehungen nicht ausgeschlossen“, erklärt Baumgartner.

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