Letztes Update am So, 22.09.2013 13:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sardinien-Besuch

Papst traf Arbeitslose: Messe mit Hunderttausend Gläubigen

Den Menschen ohne Arbeit sprach der Pontifex Mut zu. Danach feierte er am Wallfahrtsort Bonaria eine Messe.



Cagliari – Papst Franziskus hat am Sonntag am Marienwallfahrtsort „Bonaria“ in Cagliari eine Messe mit mehr als Hunderttausend Gläubigen gefeiert. Es war der Höhepunkt seiner eintägigen Sardinienreise. Bei der Feier auf dem Platz vor der Wallfahrtskirche vertraute Franziskus das sardische Volk der Fürsprache der Gottesmutter an. Die „Muttergottes von Bonaria“ ist höchste Schutzpatronin der Sarden. Von deren Namen, der sich mit „gute Luft“ übersetzen lässt, leitet sich auch der Name der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ab, aus der das Oberhaupt der katholischen Weltkirche stammt.

Der Papst war am Sonntagvormittag auf Sardinien gelandet. In der Hauptstadt Cagliari traf er mehrere Arbeitslose, denen er Mut zusprach. „Arbeitslosigkeit führt zum Verlust der eigenen Würde. Lasst euch nicht der Hoffnung berauben“, sagte Franziskus. Er selber sei Sohn von Migranten, die Italien verlassen hatten, um in Argentinien ein neues Leben aufzubauen.

„Habt Mut“

„Ich kenne die Leiden der enttäuschten Hoffnungen der Migranten und sage euch: Habt Mut. Das kann ich euch nicht als Kirchenbeamter, sondern als Hirte und als Mensch sagen“, betonte der Papst. Die Insel Sardinien kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit. Die wirtschaftlichen Probleme der Mittelmeerinsel haben sich in den letzten Krisenjahren beträchtlich verschärft. Die Arbeitslosenrate liegt mit 19 Prozent deutlich über dem italienischen Durchschnitt.

Franziskus rief die Sarden auf, gemeinsam gegen „das Idol Geld“ zu kämpfen. „In diesem System ohne Ethik, in dem Geld vergöttert wird, müssen wir den Mensch wieder in den Mittelpunkt stellen“, sagte der Papst, der frei sprach.

Nein zur „Ausschluss-Gesellschaft“

Franziskus erzählte über die Auswanderung seines Vaters von Italien nach Argentinien. „Er ist voller Illusionen abgefahren, er hat unter der Krise der dreißiger Jahren gelitten. Er hat alles verloren und es gab damals keine Arbeit. Ich habe in meiner Kindheit oft meinen Vater über diese Zeit erzählen gehört, die ich nicht erlebt habe, weil ich noch nicht geboren war. Ich habe bei mir zu Hause jedoch von diesen Leiden gehört, ich kenne sie“, betonte der Heilige Vater. Er plädierte für menschliche Solidarität um „diese historische Herausforderung“ zu bewältigen.

Im gegenwärtigen System würden junge und alte Menschen an den Rand gedrängt und „entsorgt“. Zu dieser „Ausschluss-Gesellschaft“ gelte es, Nein zu sagen. „Wir wollen ein gerechtes System, ein System, das alle weiterbringt“, so der Papst. Der Mensch und die Familie müssten wieder in den Mittelpunkt der Wirtschaftsordnung gestellt werden. Dies erfordere Solidarität und Intelligenz.

Messe mit Hunderttausend Gläubigen

Nach dem Treffen mit den Arbeitslosen zelebrierte der Papst eine Messe vor der Wallfahrtskirche in Cagliari. Daran beteiligten sich 100.000 Gläubige, darunter 1600 Kranken. Franziskus bat die Muttergottes um Unterstützung für Sardinien. „Auch hier in Cagliari fehlt es, wie in ganz Sardinien, nicht an Schwierigkeiten, Problemen und Sorgen: ich denke besonders an Arbeitslosigkeit, Instabilität und eine unsichere Zukunft. Euer schönes Sardinien leidet schon lange unter vielen Situationen von Armut, was auch durch seinen Inselcharakter verstärkt wird. Die ehrliche Zusammenarbeit aller sowie der Einsatz der institutionellen Verantwortungsträger ist nötig, um den Menschen und Familien die grundlegenden Rechte zu garantieren und eine brüderlichere und solidarischere Gesellschaft wachsen zu lassen“, betonte der Papst.

Zum Abschluss der Predigt grüßte Franziskus die Gläubigen in sardischer Sprache. Zur Papstmesse war die gut drei Meter hohe Holzstatue mit Maria und dem Jesuskind aus der Kathedrale getragen und neben dem Altar aufgestellt worden.

Papst Franziskus traf während seines Sardinien-Besuchs auch mit Vertretern der Roma, mit Strafgefangenen und mit Armen zusammen. Der Besuch auf Sardinien ist die zweite Reise des Pontifex innerhalb Italiens, nachdem er vor einigen Wochen bereits auf Lampedusa war, wo immer wieder Flüchtlinge aus Nordafrika landen. Die „Muttergottes von Bonaria“ ist höchste Schutzpatronin der Sarden. Franziskus ist nach Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. der vierte Papst der Neuzeit, der dem Gnadenbild die Ehre erweist. (APA)