Letztes Update am So, 08.12.2013 19:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

70 Verletzte bei Krampuslauf

Knochenbrecherischer Brauch in Osttirol: 15-Jähriger liegt mit Gehirnblutung im LKH Klagenfurt.

© Philipp BrunnerEine brutale Krampusattacke beim Ausläuten des traditionellen Klaubauflaufens in Matrei in Osttirol sorgte 2013 für Entsetzen und eine breite öffentliche Diskussion über das Brauchtum.



Von Helmut Mittermayr

Lienz, Matrei i. O. – Beim Ausläuten des traditionellen Klaubauflaufens in Matrei in Osttirol ging es wieder wenig zimperlich zur Sache. Fast 200 Krampusse und mehrere hundert Zuschauer lieferten sich in der Nacht auf Samstag eine wahre Schlacht.

Erstes Fazit: Ein 15-Jähriger erlitt eine Schädelfraktur, als ihn ein Krampus zu Boden riss. Der Schwerverletzte wurde sofort ins Bezirkskrankenhaus Lienz gebracht, wegen einer Gehirnblutung aber weiter ins LKH Klagenfurt überstellt. Am Bezirkskrankenhaus Lienz wurden nach mehreren Krampusläufen in Osttirol insgesamt acht Schwerverletzte (meist mit Knochenbrüchen) aufgenommen und über 60 weitere Patienten ambulant behandelt.

Für Chirurg Alfred Fast sind die Vorfälle trotzdem nicht ungewöhnlich. Der Mediziner meint abgeklärt: „Das ist alle Jahre das Gleiche. Auch die Patientenzahl ist heuer nicht höher als sonst. Unter den Verletzten befinden sich Zuschauer wie Krampusse. Denn auch so mancher im Publikum ist extrem aggressiv.“

Das Krankenhaus hatte jedenfalls keine besonderen Vorkehrungen getroffen oder gar zusätzliches Personal in Einsatz gebracht. „An einem Skiwochenende ist die Unfallchirurgie weit mehr gefordert“, weiß Fast. Früher ist der Mediziner selbst zum Klaubauflaufen gegangen. „Das ist doch selbstverständlich in Osttirol.“ In letzter Zeit meidet er aber diese Art von Veranstaltungen.




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