Letztes Update am Fr, 03.01.2014 09:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Textilbranche lahmgelegt

Protest gegen Hungerlöhne: Militär in Kambodscha tötet Textilarbeiter

Militärpolizisten sind in Kambodscha mit Waffengewalt gegen streikende Textilarbeiter vorgegangen. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Internationale Modemarken wie Gap, Nike oder H&M lassen in Kambodscha produzieren. Die Arbeiter fordern einen höheren Mindestlohn.



Phnom Penh - Bei einem Einsatz der Armee gegen tausende protestierende Textilarbeiter sind in Kambodscha am Freitag mindestens drei Menschen getötet worden. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden, so die Polizei. Militärpolizisten eröffneten in einem Vorort der Hauptstadt Phnom Penh das Feuer und schossen mehrere Menschen an, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete.

Die Militärpolizisten hätten zuerst mit Sturmgewehren und Pistolen in die Luft geschossen, später zielten sie auf die Demonstranten, so Menschenrechtsaktivisten. Die Protestierer hatten vor einer Fabrik in der Hauptstadt Phnom Penh die Sicherheitskräfte mit Steinen, Flaschen und Benzinbomben beworfen. Ein Sprecher der Militärpolizei sagte im Gegensatz zur Polizei, nur ein Mensch sei gestorben, mehrere seien verletzt worden. „Wir erfüllen nur unsere Pflicht, Rolle und Aufgabe. Jetzt sichern wir die Lage“, fügte er hinzu.

Reallöhne dramatisch gesunken

In der Textilindustrie Kambodschas sind rund 650.000 Menschen tätig. 400.000 von ihnen nähen für internationale Modemarken wie Gap, Nike und H&M. Der Sektor ist eine wichtige Devisenquelle für das asiatische Königreich.

In jüngster Zeit häuften sich Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne. Die Textilarbeiter fordern eine Verdopplung des Mindestlohns von derzeit 80 Dollar (etwa 57 Euro). Eine von der Regierung zugesagte Erhöhung auf 95 Dollar ab April lehnen die Gewerkschaften als unzureichend ab. Die Reallöhne in der Textilbranche Kambodschas sind in den letzten Jahren um 30 Prozent gesunken.

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Die Streiks, Protestmärsche und Demonstrationen waren in den zwei Wochen zuvor weitgehend friedlich verlaufen. Am Donnerstag hatten dann die Sicherheitskräfte erstmals eine Demo gewaltsam aufgelöst. Dabei wurden nach Angaben von Teilnehmern mehrere Menschen verletzt und festgenommen. Auch Pressefotografen, darunter einer der Nachrichtenagentur Reuters, waren geschlagen worden.

Opposition unterstützt Proteste

Die Textilarbeiter werden von der Opposition unterstützt, die selbst zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen hat, weil sie nach ihren Angaben bei der Wahl im Juli um mehr als zwei Millionen Stimmen betrogen worden war. Der autoritäre Ministerpräsident Hun Sen sieht sich durch die Demonstrationen, die sich teilweise an der Protestbewegung im benachbarten Thailand orientieren, mit seiner größten politischen Herausforderung seit zwei Jahrzehnten konfrontiert. (APA/Reuters)