Letztes Update am Do, 08.05.2014 11:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reutte

Baustart für Rekord-Hängebrücke: Modellhubschrauber schleppt Seil

Regenschauer konnten die gute Laune nicht verwässern: strahlende Gesichter beim gestrigen Spatenstich zur highline 179 auf Ehrenberg.Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Eine Idee wird Wirklichkeit. Am Mittwoch erfolgte in Reutte der offizielle Spatenstich zur längsten Fußgängerhängebrücke der Welt. In nur einem halben Jahr soll das Bauwerk auf Ehrenberg, das behördenrechtlich mangels Einordenbarkeit als Dauerveranstaltung genehmigt ist, errichtet werden. Der strömende Regen konnte der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch tun. Ideengeber, Bauherren, Investoren, Planer und Gemeindeführung zückten gemeinsam die Schaufeln, um ihrer Freude über das 403 Meter lange Brückenprojekt Ausdruck zu verleihen.

In Kürze wird auf der Fernpassstrecke am Katzenberg auf einer Länge von 20 Metern ein Schutzgerüst mit Schaltafeln aufgestellt werden. Jegliche Gefährdung des Verkehrs soll so während des Einziehens der Seile verhindert werden. In einem ersten Akt wird ein dünnes Fischersilk von einem Modellhubschrauber über das Tal von Burg zu Burg geflogen. Daran wird wiederum ein etwas dickerer Faden gebunden und zurückgezogen. Dann eine Schnur, darauf folgend eine Leine, anschließend ein Seil, später ein Tau – bis schließlich der erster Stahlstrang in die luftige Höhe gespannt ist.

Der Burgenweltenmotor Armin Walch hatte bereits 1998 erstmals die Vision entwickelt, die alten Gemäuer mit einer Hängebrücke zu verbinden und ging von dieser Idee nicht mehr ab. Auch Rückschläge konnten „Mr. Ehrenberg“ nicht entmutigen. Reuttes Strabag-Geschäftsführer Martin Kathrein griff 2012 die Idee auf – das Unternehmen fungiert nun als Generalübernehmer des Projektes – und konnte schnell vier private Investoren wie Stephan Lochbihler aus Vils an Land ziehen. Lochbihler steht auch der Firma WLF Projekt GmbH, dem künftigen Eigentümer der Brücke, vor.

Kathrein beim Spatenstich bewegt und sichtlich stolz: „Das ist das erste Bauprojekt des Strabag-Konzerns, das Eingang in das Guinness-Buch der Rekorde findet. Dass das gerade in Reutte passiert, freut mich wirklich sehr.“

BM Oberer ist guter Dinge, dass sich das aus den Verkehrsnachrichten bekannte Alleinstellungsmerkmal der Marktgemeinde Reutte verändern wird. „Oft hat es geheißen ‚aha, Reutte, Stau – Verkehr‘. Mit der highline 179 wird das anders werden. Was der schiefe Turm für Pisa ist, wird künftig die Hängebrücke für Reutte sein. Aus meiner Sicht ist dies der Einstieg in eine neue touristische Dimension für die gesamte Region.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass letzten Endes immer Projekte mit internationaler Bedeutung einen Entwicklungsschub auslösen konnten. „Wenn man weiß, welches weltweite Echo bereits die Ankündigung über den Bau dieser Hängebrücke ausgelöst hat, kann diese besondere und einzigartige Attraktion für Reutte nur eine Erfolgsgeschichte werden“, sagt der Marktchef. Im Zuge des Brückenbaus verwirklichen Armin Walch und Gemeinde Reutte nun umgehend Folgebauten wie zweiter Großparkplatz, Verlegung des Restaurants samt neuer Großküche oder Besuchercenter.




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