Letztes Update am Di, 01.07.2014 07:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Tiroler Konfliktforscher in Mitten der ägyptischen Revolution

Der Tiroler Konfliktforscher Adham Hamed beschäftigte sich in den vergangenen Jahren mit der Dynamik der Ägyptischen Revolution. Morgen wird im Haus der Begegnung in Innsbruck sein Buch „Revolution as a Process“ vorgestellt.



Innsbruck/Kairo – Innsbruck wurde in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit wichtigsten Zentren der Friedens- und Konfliktforschung. Der am Grillhof beheimatete UNESCO Chair for Peace Studies bietet Forschern aus aller Welt Raum sich aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven mit der Frage der Bedeutung von Frieden und der Möglichkeit der Transformation gewaltvoller Konflikte auseinander zu setzen.

Unter der Leitung von Wolfgang Dietrich wurde diese besondere Einrichtung der Universität Innsbruck in den vergangenen 13 Jahren zum Vorzeigemodell für Tiroler Spitzenforschung und internationale akademische Vernetzung.

Der 25-jährige Tiroler Adham Hamed ist einer der jüngsten Schüler von Dietrich. Nach seinem Studium in Innsbruck zog es ihn in seine andere Heimat Ägypten. Dort beschäftigt er sich intensiv mit den Dynamiken der ägyptischen Revolution. Inspiriert durch die Arbeit des Innsbrucker Teams um Dietrich hat er das Buchprojekt ‚Revolution als Prozess: Der Ägyptische Aufstand und seine Folgen’ ins Leben gerufen. Hameds Ziel war es dabei nicht ein starkes Narrativ über die politischen Ereignisse der letzten Jahre zu zeichnen, sondern vielmehr Raum für die vielen der Revolution inhärenten Widersprüche zu geben. Deshalb lud er vergangenen November Autoren aus Europa, und dem Nahen Osten ein ihre Forschungsergebnisse im Rahmen einer internationalen Konferenz in Kairo zu diskutieren.

Mit Hilfe von gewaltfreier Kommunikation, einer bewährten Methode der Innsbrucker Schule der Friedensarbeit, leitete er dort den Dialog zwischen den Forschern und ihren oftmals sehr unterschiedlichen Interpretationen der ägyptischen Revolution. „Ziel der Konferenz war es nicht die Widersprüche zwischen den Autoren aufzulösen sondern vielmehr ein besseres Bewusstsein für die Positionen der Kollegen und deren dahinter liegenden Bedürfnisse als Konfliktparteien in der ägyptischen Revolution zu gewinnen.“, erläutert Hamed im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Der Innsbrucker Zugang war für viele Autoren dabei neu und unkonventionell, denn im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen die Forschenden dabei gleichermaßen wie der Gegenstand ihrer Forschung selbst: „In unserer Philosophie ist diese in der Wissenschaft gängige strikte Trennung zwischen den Forscheren und ihrer Umwelt, die sie beforschen, kaum denkbar. Das wird am Beispiel der ägyptischen Revolution besonders deutlich: „Als Forschende sind wir immer auch Teil der Revolution und umgekehrt ist die Revolution Teil von uns.“, so Hamed. Aus dieser Erkenntnis haben sich die Autoen dazu entschieden ihre persönliche Perspektive und ihre Rolle in der Revolution besonders explizit zu machen. Das Buch ist vielleicht gerade deshalb Produkt eines bemerkenswerten Projektes mit Tiroler Wurzeln.

Neben anderen internationalen Forschern schrieben vier Absolventen der Innsbrucker Schule einen Beitrag im Sammelband Revolution as a Process: The Case of the Egyptian Uprising, welcher am Samstag um 19:30 im Haus der Begegnung in Innsbruck vorgestellt werden wird. Nicht weniger als sieben internationale Autoren und Aktivisten werden dabei ihre Forschung vorstellen und das Publikum zu einem gemeinsamen Dialog über den Prozess der ägyptischen Revolution einladen. (jan)




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