Letztes Update am Fr, 22.08.2014 07:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

„Kritik an Naturparkhaus ist voreilig“

Am Sonntag wird der architektonische Blickfang am Lech offiziell der Bestimmung übergeben. Dass das Haus nicht hält, was die Ansicht suggeriert, weist Naturparkobmann Heiner Ginther entschieden zurück.



Von Helmut Mittermayr

Elmen – „Ein Verwaltungsgebäude ohne jeglichen Besuchernutzen auf eine Brücke am Lech gesetzt! Keine Ausstellung, kein Shop – hohe Erwartungen werden nicht erfüllt! Ein Spielplatz um über 300.000 Euro, den am Land keiner braucht!“ Die kritischen Stimmen aus der Außerferner Bevölkerung am neuen Eyecatcher auf der Klimmbrücke in Elmen, die in den letzten Wochen aufgekommen waren, sind am Obmann des Naturparks nicht spurlos vorübergegangen. Heiner Ginther kann sie aber nicht wirklich nachvollziehen. Die Vorwürfe seien voreilig, das Projekt werde erst am Sonntag eröffnet und das Erzählte sei teils einfach unrichtig. Der Elmer Bürgermeister weist auch entschieden zurück, dass er das Naturparkhaus mit aller Gewalt nach Elmen bringen wollte. „Es gab in zehn Jahren so viele mögliche Standorte, die aus unterschiedlichsten Gründen aufgegeben werden mussten, bevor es schließlich Elmen wurde“, sagt Ginther.

Besucher würden im Eingangsbereich selbstverständlich Informationen bekommen und dafür künftig Tag für Tag auskunftsfreudige Damen zur Verfügung stehen. „Auch am Samstag und Sonntag“, lässt er wissen. Jede Menge Info-Material zu allen Besonderheiten des Naturparks stehe zur Verfügung. Natürlich würden auch alle Fragen touristischer Natur bis hin zur Zimmervermietung beantwortet.

Heiner Ginther hofft, dass auch der Lechtaler Tourismusverband das Potenzial erkennt und Personal an der Klimmbrücke in Einsatz bringt. „Wir rechnen mit einem hohen Besucheraufkommen.“ Schon über 900 Interessierte hätten die Räumlichkeiten besucht, obwohl sie offiziell noch gar nicht geöffnet waren.

Der Obmann freut sich, dass es Anfragen von Schulen aus ganz Tirol gibt. „Die Klassen kommen zwei, drei Tage ins Lechtal und werden vom Naturparkhaus aus betreut.“ Seminare, Vorträge, Ausstellungen auch von Künstlern – die Möglichkeiten seien vielfältig. „Nur Anfragen für Geburtstagfeiern mussten wir eine Absage erteilen“, schmunzelt er. Und natürlich die gesamte Naturparkverwaltung sei dort untergebracht.

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Der Lechtaler verteidigt die Örtlichkeit des Naturparkbesucherzentrums auf der Reuttener Klause. „Das ist einfach der bessere Standort an der vielbefahrenen B 179. Wer nach Elmen kommt, ist ja schon im Lechtal. Dem brauche ich keine Fotos vom Lech mehr zu zeigen“, erklärt der Obmann. 24 Bürgermeister und zwei TVB-Chefs hätten diese Aufsplittung einstimmig abgesegnet. Das moderne, auf die Brücke gesetzte Überschussenergiehaus kostet den Steuerzahler 936.000 Euro, vom Land Tirol zu 100 Prozent finanziert. Sogar Glasfaserkabel für Highspeed-Verbindungen stehen zur Verfügung.

„Wir haben keinen Keller“, scherzt Ginther beim Interview im Brückenhaus und eröffnet damit seine Verteidigungsrede für den Spielplatz, der noch einmal mit 340.000 Euro zu Buche schlägt. „Hier können Kinder spielen, während sich Eltern informieren. In den Kosten ist aber auch das neue öffentliche WC-Gebäude enthalten, das allen am Lech zur Verfügung steht. Denn die Klimmbrücke werde stark als Ausgangspunkt für Wanderungen, Radtouren oder Langlauftouren im Lechtal genutzt. Mangels Keller benötige es eben auch Stauräume für die Verwaltung. Diese seien nun auch neben dem Spielplatz geschaffen. Heiner Ginther glaubt persönlich, dass die Kritik schnell verstummen werde, wenn der Naturparkhausbetrieb erst einmal voll angelaufen ist.