Letztes Update am Sa, 30.08.2014 07:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Osttirol

Streit um Schweinezucht im Auwald

Ein Oberlienzer hält seine schwäbisch-hällischen Schweine im Freien. Der Ort der Haltung und der Zaun rundherum sind für die Behörde nicht rechtskonform. Sie verhängte 500 Euro Strafe, der Mann beruft.



Von Catharina Oblasser

Oberlienz – Fünf Säue und ein Eber beschäftigen zurzeit die Bezirkshauptmannschaft Lienz. Denn ein Mann aus Oberlienz hält diese Tiere, die der seltenen Rasse „Schwäbisch-Hall“ angehören, auf einem Grundstück im Freien. Das ist nicht in Ordnung, findet die Behörde, denn die Fläche befinde sich „innerhalb von fünf Metern eines fließenden natürlichen Gewässers“, wie es in der Strafverfügung heißt, die dem Mann kürzlich ins Haus flatterte. Konkret geht es um eine „elektrisch umzäunte Grundfläche und sohin eine Anlage im Ausmaß von ca. 1200 m²“, so der amtliche Vorwurf. Die Behörde klärt auch darüber auf, dass man Waldboden nicht zum Zweck der Schweinehaltung verwenden darf – jedenfalls nicht ohne behördliche Ausnahmegenehmigung. 500 Euro Strafe verhängte die Bezirkshauptmannschaft über den Oberlienzer wegen Übertretung des Naturschutz- und Forstgesetzes.

Dieser will sich das nicht gefallen lassen. „Ich habe keine Anlage errichtet, wie die Behörde es behauptet, sondern bloß eine normale Hutweide betrieben“, sagt er. Ein Elektrozaun sei nötig, um die Tiere am Weglaufen zu hindern, und auch ortsüblich. Auch von einem „Auwald“ will der Schweinehalter nichts wissen. „Die Tiere weiden direkt unter einer Stromleitung. Da gibt es überhaupt keine Bäume.“ Außerdem pocht er auf sein grundbücherliches Recht der Weidehaltung dort, wo schon sein Großvater zwischen 1910 und 1920 Schweine gehalten habe.

Bezirkshauptfrau Olga Reisner klärt auf: „Als ‚Anlage‘ gilt alles, was von Menschenhand errichtet ist, auch wenn es nicht einmal ein Fundament hat. Dafür braucht es eine Bewilligung. Als ‚Auwald‘ kann auch ein Bereich gelten, in dem es nicht einmal Bäume gibt, die gerodet werden könnten.“ Im Fall einer Berufung gehe die Sache weiter an das Landesverwaltungsgericht nach Innsbruck.

Dazu wird es auf jeden Fall kommen, sagt der Schweinezüchter. Er wird berufen. „Ich will meine Tiere artgerecht im Freien halten und nicht in einem Stall. Auf der Weide geht es ihnen gut, ich habe auch noch nie einen Tierarzt für sie gebraucht.“

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