Letztes Update am Do, 25.09.2014 17:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Schloss Mentlberg wird Zuflucht für 70 Flüchtlinge

Auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften wurde das Land im Westen Innsbrucks fündig. 100 Personen sollen außerdem in die Straubkaserne Hall.



Von Thomas Hörmann und

Nikolaus Paumgartten

Innsbruck, Hall – Wohin mit den Flüchtlingen? Nach Mentl­berg in den Westen von Innsbruck, lautet zumindest teilweise die Antwort auf die Frage, die seit Monaten für politische Diskussionen sorgt. Wie Konrad Lais, Referent für Soziales und Integration vom Amt der Tiroler Landesregierung bestätigt, wird das historische Schloss Mentlberg zur Zuflucht für rund 70 Menschen. „Der Zustand des Hauses lässt eine schnelle Besiedlung zu, es müssen allerdings kleine Adaptierungsarbeiten und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden“, präzisiert Lais: „Die Vorlaufzeit ist, im Vergleich zu anderen Immobilien, allerdings um vieles kürzer und wir rechnen mit einer raschen Realisierung.“

Das Schloss Mentlberg ist allerdings nur eine Lösung auf Zeit: „Diese Unterbringungsmöglichkeit ist nicht als dauerhafte Einrichtung konzipiert“, erläutert Lais.

Mit der Mentlberger Lösung ist die Suche nach Flüchtlingsunterkünften aber noch nicht abgeschlossen. Bis Jahresende will Landesrätin Christine Baur (Grüne) rund 300 zusätzliche Plätze schaffen. Daher „sind wir ständig auf der Suche nach geeigneten Plätzen“, sagt der Sozialreferent.

Das Schloss Mentlberg war übrigens schon vor knapp zehn Jahren eine Flüchtlingseinrichtung. Damals betrieb das Rote Kreuz das Heim als Notunterkunft. Nach den Eröffnungen der Flüchtlingsheime in den Innsbrucker Stadtteilen Reichenau und Rossau sowie in Lienz wurde die Mentlberger Unterkunft wieder geschlossen.

Gestern bestätigte auch Halls Bürgermeisterin Eva Maria Posch in einer Aussendung, dass die ehemalige Straubkaserne künftig als Quartier für Flüchtlinge dienen soll. Wie die TT berichtete, hat die Eigentümer-Gemeinschaft aus Thaurer und Rumer Landwirten dem Bund und dem Land die Gebäude auf dem Areal angeboten und auch eine Containerlösung auf dem Gelände vorgeschlagen. Posch fühlt sich jedenfalls überrumpelt: „Ich bin am Dienstag informiert worden, dass geplant sei ca. 100 Flüchtlinge in der Straubkaserne unterzubringen.“ Die Haller Bürgermeisterin kritisiert, dass „ein Angebot seitens der Stadtgemeinde seit Monaten der Flüchtlingskoordination vorliegt. Leider habe ich jedoch nie eine Rückmeldung bekommen. Ich habe ein Grundstück für eine kurzfristige Containersiedlung angeboten, das zentrumsnah liegt. Außerdem habe ich drei Wohnungen in unmittelbarer Altstadtnähe, die auch für größere Familien geeignet sind, angeboten.“ Es sei völlig klar, dass man es derzeit mit einer humanitären Ausnahmesituation zu tun hätte: „Die Situation erfordert Solidarität. Gerade deshalb ist es mir unverständlich, die für alle Beteiligten beste Lösung, nämlich eine Containersiedlung in Zentrumsnähe, einfach zu ignorieren.“ Die Straubkaserne wäre bereits vor vielen Jahren von Experten geprüft worden: „Die Untersuchungsergebnisse haben ergeben, dass die Kaserne aus sozialen und humanitären Aspekten nicht ideal sei. Die Lage am Stadtrand bewirkt eine gewisse Isolation, außerdem fehlt notwendige Infrastruktur. Zudem ist es bedenklich, traumatisierte Menschen in eine Kaserne, die von einem Zaun umgeben ist, zu stecken“, so Posch.

Während die Politik weiterhin nach Lösungen sucht, strandeten am Dienstag erneut 19 Flüchtlinge aus Syrien, Palästina und Eritrea in Tirol. Die Emigranten wurden nach der Versorgung in der Anhaltestelle Plon in Steinach den italienischen Behörden übergeben.




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