Letztes Update am Mo, 17.11.2014 22:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verleihung

„Goldenes Brett vorm Kopf“ könnte an Xavier Naidoo gehen

Für die Auszeichnung „Goldenes Brett“ sind Sänger Naidoo, die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen und eine Impfgegner-Vereinigung nominiert. Der Preis für den erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug des Jahres wird am 26. November in Wien verliehen.



Wien – Die Impfgegner-Vereinigung „Netzwerk Impfentscheid“, die Gesundheitsministerin des deutschen Bundeslands Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, sowie der deutsche Sänger Xavier Naidoo gehen heuer ins Rennen um das „Goldene Brett vorm Kopf“. Mit dieser Auszeichnung macht die Gesellschaft für kritisches Denken auf den „erstaunlichsten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“ aufmerksam.

Aus über 250 Nominierungen hat eine Jury die drei Finalisten ausgewählt. Das „Netzwerk Impfentscheid“ verdiente sich seine Nominierung für die der wissenschaftlichen Faktenlage widersprechende „Verbreitung der Vorstellung, dass Impfen nutzlos oder sogar schädlich sei“. Steffens wird als preiswürdig angesehen, da sie Alternativmedizin an den Universitäten verankern wolle und der Meinung sei, dass diese nicht nach den üblichen wissenschaftlichen Wirksamkeitskriterien beurteilt werden könne.

Prominentester Nominierter ist Naidoo: Dieser habe sich mit seiner Nähe zur rechtsgerichteten „Reichsbürgerbewegung“ zuletzt „zum Vertreter abstruser Verschwörungstheorien entwickelt“. Seine große Popularität als Musiker führe insbesondere junge Menschen in eine „abstruse Gedankenwelt aus unhaltbaren Behauptungen, in denen Hass und Angst mehr zählen als Fakten“. Eine rationale Diskussion über tatsächliche politische Missstände werde dadurch unmöglich: „Xavier Naidoo wird zur Einstiegsdroge der Irrationalität, die mit pathetischer Musik beginnt und bei Chemtrails und Weltverschwörungs-Paranoia endet.“

Kriterien sind Grad der Abwegigkeit und kommerzielles Interesse

Gekürt wird der Preisträger am 26. November in der Wiener Urania, er erhält eine goldene Statue mit einem Brett vorm Kopf. Im Vorjahr wurde die Organisation „Homöopathen ohne Grenzen“ für den Einsatz von Homöopathie in Krisengebieten „ausgezeichnet“. Der Lebenswerk-Preis ging 2013 an Esoterik-Arzt Rüdiger Dahlke.

Bei der Preisvergabe spielen unter anderem der „Grad der Abwegigkeit“ der vertretenen Theorien, die Kritikresistenz der Personen bzw. Organisationen und deren kommerzielles Interesse eine Rolle. Außerdem wird bewertet, inwieweit para- oder pseudowissenschaftliche Theorien ausdrücklich als Wissenschaft ausgegeben und inwieweit Gesundheit oder das politisch-gesellschaftliche Gefüge gefährdet werden.

Die Gesellschaft für kritisches Denken (GkD) ist die Wiener Lokalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Sie gehört zur internationalen Skeptikerbewegung, die sich für Wissenschaft und kritisches Denken einsetzt.

Details zu den Nominierten und zur Verleihung Ende November gibt es auf der Homepage unter http://goldenesbrett.guru. (APA)




Kommentieren