Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.12.2014


Osttirol

Gemeindeverband plant regionale Revolution

Die 15 Gemeinden des Planungsverbandes 36 Lienzer Talboden sind vom eigenen Tempo selbst überrascht. Konkrete Umsetzungen sind auf der Zielgeraden.

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© Blassnig



Von Christoph Blassnig

Nußdorf-Debant – 120 Meter Lichtleiterkabel fehlen noch zwischen Lienz und Debant. Die Datenautobahn steht kurz vor der Fertigstellung. 2015 könnten die ersten Haushalte ihren Anschluss an echtes Hochgeschwindigkeits-Internet bekommen.

In allen Orten von Assling, Schlaiten, bis Iselsberg-Stron­ach und Nikolsdorf wird in Gemeindebauten ein aktiver Internet-Knotenpunkt installiert. Lienz bekommt davon fünf. Von dort aus legen die Gemeinden die so genannte „letzte Meile“ bis in die Keller der Privathaushalte und Betriebe. Bestehende und geplante Leitungen sollen nicht mehr ohne Lichtleiterkabel verlaufen. Fernwärme-Kunden sind besonders leicht anzubinden. Die Lichtfasern werden in die vorhandenen Leerrohre eingeblasen.

„Auch in Dölsach sind wir sehr weit. Amlach ist uns allen aber mit Abstand voraus“, verrät Bürgermeister und Planungsverband-Obmann Josef Mair. „Nach konsequenter Arbeit informieren wir in der ersten Regionalkonferenz alle 160 Gemeinderäte über Fortschritte und Ziele in unserem Regionalentwicklungsprozess.“ Gefolgt sind der Einladung am Freitag deutlich weniger als die Hälfte der Gemeindeparlamentarier.

Noch ist nicht sicher, wer die aktiven Internet-Knotenpunkte betreiben wird. Interessenten gibt es in der Region, aber auch im benachbarten Ausland. „Das Leitungsmonopol der Telekom ist jedenfalls gebrochen. Erstmals ist echter Wettbewerb möglich, wir schaffen gerade die notwendige Infrastruktur“, so Walter Handle, der für Konzept und Planung der Lichtleitervernetzung verantwortlich zeichnet.

„Die Übertragungsraten in den bestehenden Kupferleitungen sind längst ausgereizt“, begründet Helmut Heis, Breitband-Koordinator der Landesregierung, die hohen Fördergelder. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wären wir damit angestanden. Mit dem Lichtkabel setzen wir auf zukunftssichere Vernetzung auf dem höchsten technischen Level.“

Der Flugplatz Nikolsdorf soll die großen und innovativen Betriebe des Bezirkes besser an die Welt anbinden. „Zweimotorige Maschinen bis 5,6 Tonnen dürfen jetzt starten und landen“, erklärt Josef Mair. Die neue Flugplatz-Betreibergesellschaft mit Gemeindebeteiligungen sei nur noch Formalsache. Und Oskar Januschke ergänzt: „In fünfundzwanzig Minuten sind wir dann am Flughafen München. Das schaffen viele Weltmarktführer im Münchner Umfeld nicht. Ein enormer Wettbewerbsausgleich für den Standort Osttirol.“

Gerald Mathis leitet in Vorarlberg das Institut für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung und gratuliert den Verantwortlichen: „Dieser Prozess ist einzigartig in Österreich, wird entsprechend beachtet und zur Nachahmung empfohlen. Gut bezahlte Arbeitsplätze sind die Grundlage für alles.“

Weitere Ziele der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit sind die Schaffung eines gemeinsam verwalteten Gewerbegebietes zur Ansiedlung neuer Unternehmen und öffentlicher Nahverkehr.