Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.12.2014


Gesellschaft

Imst geht auf Herbergssuche

Die Idee des Landes, im ehemaligen Kloster zehn bis 30 Flüchtlinge unterzubringen, lehnt der Gemeinderat ab: Dafür begibt man sich auf die Suche nach Alternativen.

© PaschingerDie Stadt ist gegen die Belegung des leeren alten Klosters mit Asylwerbern: Es sei baufällig und außerdem verfolge man weiterhin den Plan, hier im Rahmen eines Umbaus betreutes Wohnen zu schaffen.Foto: Paschinger



Von Alexander Paschinger

Imst – „Ja, ich habe dem Land die Möglichkeit gemeldet, im Zubau des Klosters relativ kurzfristig zehn Asylwerber unterbringen zu können“, meint Bezirkshauptmann Raimund Waldner am Tag danach. „Das war ein spontanes Angebot des Ordens, um die Flüchtlingssituation zu entschärfen“, ergänzt auch Max Holzhammer, der für die Kongregation der Barmherzigen Schwestern in Immobilienfragen zuständig ist.

Ein Gutteil der Imster Gemeinderäte runzelte hingegen bei der Sitzung am Dienstagabend die Stirn: Soeben hatte GR Andrea Jäger Bürgermeister Stefan Weirather vorgeworfen, „den Gemeinderat für blöd verkaufen“ zu wollen. Seit 14 Tagen wisse er vom Plan, in der Pfarrgasse eine Unterkunft einzurichten. „Es ist nicht die Frage, ob wir Asylwerber aufnehmen oder nicht – aus meiner Sicht ist das Gesamtkonzept des Pflegezentrums Gurgltal damit nicht mehr möglich“, erklärte Jäger. Dieses sehe bekannterweise vor, am Areal des ehemaligen Klosters „dringend benötigtes betreutes Wohnen“ zu schaffen.

Tatsächlich konzentrierte sich die Diskussion im Gemeinderat nicht auf die Flüchtlingsfrage an sich. Vielmehr kam Kritik am mangelnden Informationsfluss seitens des Bürgermeisters auf. Das alte Kloster selbst sieht man als Unterkunft für Asylwerber nicht geeignet: Vor elf Jahren war das damalige „Versorgungshaus“ als Altenwohnheim geschlossen worden, weil aufgrund der Baufälligkeit im buchstäblichen Sinne die Decke auf den Kopf fiel. „Es gibt fünf Zimmer im Schwesterntrakt, ja. Aber der Rest ist unbewohnbar und nicht menschenwürdig“, argumentierte Jäger.

Seit vier Jahren stehen Pflegeverband und Orden in Kontakt, um das Projekt betreutes Wohnen umzusetzen. Gehapert hat es bislang an der Frage des Denkmalschutzes. „Wir brauchen einen guten Architekten, der uns einen Entwurf für das Denkmalamt macht“, meinte StR Hans Strobl. Andererseits unterstellte Vizebürgermeister Stefan Krismer dem Kloster „Berechnung“, um die Stadt zum Handeln zu zwingen.

Das stellt Holzhammer freilich in Abrede: „Wir sind für beide Optionen offen“, sagt er gegenüber der TT, „aber angesichts der Situation wollen wir den 1988 errichteten Neubau nicht leer stehen lassen.“ Man suche ja landauf, landab nach Quartieren. Nach einer Begehung stehe fest, dass dort zehn Flüchtlinge unterkommen könnten. „Und mit Adaptierungen im Altteil könnten es noch einmal 20 sein“, berichtet Holzhammer von der Begehung mit Sachverständigen der BH Imst.

Im Gemeinderat war man sich einig, dass man dem Land sehr wohl Alternativen anbieten müsse. Ins Spiel kamen dabei ein drittes, leer stehendes Gebäude beim Asylwerberheim „Sonneninsel“ oder etwa die alte Sonnbergschule. Man brauche jedenfalls 14 Tage Zeit, um Informationen einzuholen, meinten Krismer und Vizebürgermeister Gebi Mantl. Wichtig sei, wurde im Plenum betont, dass die traumatisierten Asylwerber unbedingt betreut werden müssten. „Was für die Sonneninsel auf Arzill spricht“, so Jäger. Das dortige Gebäude wurde zuletzt als Ausweichmöglichkeit während des Baus des Schulzentrums Unterstadt genutzt und gebraucht.

Letztendlich wurde der einstimmige Beschluss gefasst: Nein zur Flüchtlingsunterbringung im Kloster, dafür die Suche nach Alternativen. Und: Verfolgung des Projektes betreutes Wohnen.

Aus dem Büro von Landesrätin Christine Baur wird dazu festgehalten: „Das Einvernehmen mit den Gemeinden ist mir ein großes Anliegen. Das Land ist auf neue Plätze für Flüchtlinge angewiesen und begrüßt daher rasche und geeignete Alternativvorschläge.“ BH Waldner betont seinerseits, dass es bei kleinen Einheiten nur um „kurzfristige Lösungen geht, die wieder zurückgenommen werden“. Insgesamt ortet er im Bezirk Imst „eine positive Stimmung und große Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung“.