Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.12.2014


Gesellschaft

Prostitution: Verbote letztlich ohne Wirkung

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Innsbruck – Können die geltenden Prostitutionsgesetze die in der Sexarbeit Tätigen schützen, Ausbeutung und Frauenhandel verhindern? Der Diskussionsabend „Sexarbeit im Brennpunkt politischer Gestaltung“, zu dem Frauen im Brennpunkt und die Beratungsstelle iBUS geladen hatten, ging dieser Frage nach. Ausgangspunkt war eine neue Studie von Helga Amesberger, Sozialwissenschafterin am In­stitut für Konfliktforschung in Wien. Sie basiert auf 85 Interviews mit Sexarbeiterinnen und mehr als 30 Befragungen von „informierten Außenstehenden“. Eine der Schlussfolgerungen: Verbote führen weder zu einem Rückgang der Anzahl der Sexarbeiter noch der Bordellbetriebe. Im Gegensatz dazu hat Entkriminalisierung keinen Anstieg zur Folge, wie oft befürchtet.

„In Österreich gibt es in neun Bundesländern neun unterschiedliche Prostitutionsgesetze“, sagt Amesberger. In Tirol ist Sexarbeit nur in Freudenhäusern erlaubt, der Straßenstrich ist illegal. Dieser Umstand verstärke jedoch die Abhängigkeit der Prostituierten von Bordellbetreibern. Umgekehrt seien die Frauen vom Straßenstrich eher unabhängig, könnten selbst für sich entscheiden. Amesberger: „Nur eine Legalisierung der Sexarbeit kann die Frauen schützen, ihnen zu mehr Rechten verhelfen und beitragen, Arbeitsbedingungen zu verbessern.“ So könnten sie sich besser gegen Diskriminierung, Ausbeutung und Gewalt wehren. Aber auch dass es derzeit keine Inklusion gebe, was Arbeits- und Gewerberecht betrifft, trage zur Stigmatisierung bei.

„Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass Prostitution beseitigt werden kann“, sagt Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler. „Es hat sie gegeben und es wird sie geben, weil die Nachfrage vorhanden und mit der Sexarbeit ein entsprechendes Einkommen verbunden ist.“ Doch das vermehrte Auftreten von Prostitution sei mit einem bestimmten Unsicherheitsgefühl und der Angst vor Kriminalität besonders von Seiten der Anrainer verbunden. Aufgabe der Polizei sei es, dem Gesetz gemäß das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu verstärken. Doch es gebe auch rechtliche Schwachstellen, welche die Arbeit der Polizei erschweren würden, hier müsse angesetzt werden. Seinem Eindruck von der Szene entsprechend warnt Kirchler zwar vor einer totalen Legalisierung, aber auch ein völliges Verbot sei „nicht machbar“.

Sexarbeit gehöre entkriminalisiert und legalisiert, meint dagegen Soziallandesrätin Christine Baur: „Verbote drängen Frauen in die Illegalität!“ Sie kritisiert die Scheinmoral und bezieht sich dabei auch auf die Bedarfsprüfung bei der Bewilligung von Bordellen: „Hier geht der Gesetzgeber davon aus, dass es eine gewisse Anzahl von Sexarbeitern braucht, andererseits macht man es ihnen sehr schwer.“ (ms)