Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.01.2015


Gesellschaft

Der Reimmichl hat auch in Übersee Fans

Die Beliebtheit des traditionellen Tiroler Reimmichl-Kalenders bricht nicht ab. Sogar in Kanada wollen Menschen darin lesen.

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© Murauer



Von Miriam Hotter

Innsbruck – Wieder geht ein Jahr zu Ende und die neuen Kalender machen die Runde. Ein ganz besonderes Exemplar blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Die Rede ist allerdings nicht vom „Hundertjährigen Kalender“, nach dem sich angeblich auch heute noch das Wetter richtet.

Vielmehr gemeint ist der Reimmichl-Kalender, den der Osttiroler Schriftsteller und Priester Sebastian Rieger im Jahre 1920 als „Tiroler Volkskalender“ herausgegeben hat. Seither zieren die drei Sternsingerbuben des Haller Bildhauers Josef Bachlechner seinen Umschlag.

Die Beliebtheit des Kalenders ist mittlerweile so groß, dass ihn sogar Kanadier in ihren Stuben aufhängen. Pater Heinrich Rosenbaum lebt im kanadischen Calgary und versorgt seine „Schäfchen“ mit dem Reimmichl-Kalender. „Wir sind eine deutschsprachige Pfarrei, zu der vor allem Deutsche, Österreicher und Schweizer kommen, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den 50er-Jahren nach Kanada ausgewandert sind“, erklärt er.

Jedes Jahr verschenkt er den Tiroler Kalender als Weihnachtsgeschenk. „Er wird uns vorher vom Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn zugeschickt“, erzählt Rosenbaum. Die Frage, die sich wahrscheinlich nun bei vielen aufdrängt, ist: Wie kann ein Kalender, der voller Tiroler Tradition steckt, auch Nicht-Tiroler begeistern?

Pater Heinrich Rosenbaum hat sofort eine Antwort parat. „Wenn ich meine Pfarrkinder dies fragen würde, dann würden sie wohl sagen: Da stehen so schöne Geschichten drin.“ Außerdem würden sie das Altvertraute suchen. Auch die Tatsache, dass die zweite Generation der Auswanderer nicht mehr viel Deutsch spreche, tue der Beliebtheit des Kalenders keinen Abbruch.

„Es ist irgendwie ein Stück Heimat“, nennt Rosenbaum den Grund.