Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.02.2015


Exklusiv

Schwieriger Start für Laufhaus in Innsbruck

Die familiäre Nähe zur Polizei könnte für den möglichen Betreiber eines Laufhauses zum Problem werden: Sein Vater ist Kripo-Beamter und für das Rotlicht zuständig.

Die Polizei prüft derzeit, ob in Innsbruck Bedarf für ein Laufhaus (Symbolfoto) am Westbahnhof besteht.

© EPA/ScalkzoDie Polizei prüft derzeit, ob in Innsbruck Bedarf für ein Laufhaus (Symbolfoto) am Westbahnhof besteht.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Das geplante Laufhaus im Innsbrucker Stadtteil Wilten ist jetzt auch ein Fall für die Polizei. „Der Antrag ist eingetroffen“, bestätigt Gerhard Ditz von der Landespolizeidirektion: „Wie immer bei derartigen Anträgen führen wir jetzt eine Bedarfsprüfung durch, auch die persönliche Eignung des Antragstellers spielt eine Rolle.“

Doch ganz „wie immer“ ist der Fall dann doch nicht: Die Entscheidung für oder auch gegen eine Bewilligung ist diesmal etwas delikater als sonst. Der Grund: Der Antragsteller ist der Sohn eines Innsbrucker Kripo-Beamten. Und der leitet das Referat 1 (Gewaltdelikte), das auch für die Überwachung der legalen und illegalen Rotlichtbranche in der Landeshauptstadt zuständig ist. „Ich hoffe, dass das bei der Entscheidung bezüglich der Genehmigung keine Rolle spielt“, sagt der Laufhaus-Betreiber in spe: „Ich bin einfach nur Geschäftsmann und kann nichts dafür, dass mein Vater bei der Kripo ist.“

Ein nachvollziehbares Argument, das künftige Probleme allerdings nicht zwingend ausschließt. Die Konkurrenz unter den Innsbrucker Rotlicht-Unternehmern ist groß, der Markt begrenzt. Der Kampf um Kunden wird teils mit harten Bandagen geführt. So kam’s schon vor, dass ein Bordell noch vor der Eröffnung plötzlich in Flammen stand (2012) – der Brandstifter, sein Motiv und etwaige Auftraggeber sind bis heute unbekannt.

Daher ist’s keinesfalls ausgeschlossen, dass ein Polizisten-Sohn als Laufhaus-Betreiber Kritik auslösen wird. Das beginnt bei der möglichen Bewilligung, betrifft aber auch den späteren Betrieb. Nach dem Motto „bei dem kontrolliert die Polizei weit weniger häufig“.

Der Antragsteller wiegelt ab: „Wer meinen Vater kennt, weiß, dass er mich genauso strafen würde. Allerdings wäre er ohnehin befangen und daher für meinen Betrieb nicht zuständig.“

Gerhard Ditz versichert, dass Verwandtschaftsverhältnisse bei der Entscheidung über die Laufhaus-Bewilligung keine Rolle spielen werden. „Wie bei jedem Antragsteller schauen wir uns das Projekt an und prüfen, ob überhaupt ein Bedarf besteht.“ Bei dieser Bedarfsprüfung gehe es nicht darum, wie ausgelastet die bestehenden Betriebe sind. „Wir machen da keine Umfrage unter den Bordellbetreibern, sondern schauen uns Fakten wie das Einzugsgebiet und die Einwohnerzahl an“, erläutert der Polizeijurist. Auch die Entscheidungen bei den Bordellanträgen in den vergangenen Jahren fließen in die polizeilichen Überlegungen ein. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch die Person des Antragstellers: Wenn die Polizeibehörde dessen Eignung prüft, schaut sie sich vor allem seinen Leumund an. Wer ein blütenweißes Vorstrafenregister hat, hat auch gute Karten.

Fest steht, dass die Landespolizeidirektion bei Bordellbewilligungen das Sagen hat. Die Stadtverwaltung begnügt sich in der Regel mit einer Stellungnahme, die Entscheidung fällt aber am Innrain.

Die Chance auf eine Bordellbewilligung hat sich in den vergangenen 15 Jahren drastisch erhöht. Bis 2000 gab’s nur einen einzigen (legalen) einschlägigen Betrieb in der Landeshauptstadt. Inzwischen haben die Freier die Wahl zwischen fünf Etablissements. Und auch in Kufstein, Wörgl, Schwaz, Telfs und Imst sind seither Bordellbetriebe von den Behörden genehmigt worden. Im Vergleich zu anderen Bundesländern verdient Tirol aber immer noch das Prädikat heilig: Allein in Villach gibt’s zwölf Bordelle.