Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.03.2015


Gesellschaft

37 Minuten für die Pendler

Die Zug-Pendler aus dem Bezirk Kitzbühel können sich über ein handfestes Ergebnis beim TT-Forum in Kitzbühel freuen. Acht Zugverbindungen werden deutlich schneller, zwei zusätzliche Züge werden geprüft.

© Verena Hofer



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Zufriedene Gesichter bei den Pendlern – das gab es schon länger nicht mehr. Doch der Mittwochabend endete für die Zug-Pendler aus dem Bezirk Kitzbühel mit einer Überraschung. Die Tiroler Tageszeitung lud in den Konzertsaal der Musikschule Kitzbühel zu einem TT-Forum.

Zum Thema „Am Abstellgleis? Der lange Weg der Pendler nach Innsbruck“ diskutierten dabei Alexander Jug (ÖBB), Andreas Knapp (VVT), Hermann Weratschnig (Grüne), Stefan Grässle (Pendlerforum Brixental) und Hans Kobler (Pendler) unter der Leitung von TT-CR Mario Zenhäusern mit Pendlern aus dem Bezirk die Probleme und Möglichkeiten.

Grässle und Kobler grenzten sich dabei auf drei Kernprobleme ein. „Wir haben drei Forderungen, viel mehr sind es Wünsche, die wir äußern“, sagt Kobler. Täglich gibt es acht Verbindungen nach Innsbruck, welche den Anschluss in Wörgl um lediglich zwei Minuten verpassen, dann fehle eine schnelle Verbindung mit Abfahrt um 6.50 Uhr in Kitzbühel und am Abend eine schnelle Verbindung zurück um 17.35 Uhr in Innsbruck, zu guter Letzt wird noch ein fehlender Spätabendzug um etwa 22.45 Uhr von Innsbruck in den Bezirk bemängelt.

Die beiden Herren am Podium bekamen auch sofort Unterstützung aus dem Publikum. Einige Pendler führten vor allem den fehlenden schnellen Zug zwischen 17 und 18.30 Uhr aus Innsbruck ins Treffen. Hier unterstreicht Grässle zusätzlich: „Der Zug um 18.36 Uhr kommt aus Italien und wird sehr oft am Brenner gefilzt, der hat zumindest jeden zweiten Tag eine große Verspätung. Auf den kann man sich als Pendler nicht verlassen.“

- Verena Hofer

Ebenfalls unter den Zuhörern war Martin Teißl vom Arbeitskreis Fahrgast Tirol. „Die Forderungen der Pendler aus dem Bezirk sind legitim und auch nicht irgendwelche Unmöglichkeiten. Es ist unverständlich, dass hier nicht reagiert wird“, ärgert sich Teißl.

Die Kitzbühelerin Fini Sulzenbacher brach dann auch eine Lanze für die Nichtpendler unter den Bahnfahrern. „Wir sind vom Kulturangebot in Innsbruck quasi ausgeschlossen. Denn die Verbindungen am Abend sind schlecht, das betrifft aber nicht die Pendler, sondern die normalen Bahnkunden“, sagt Sulzenbacher und sie wünscht sich eben diese schnelle Verbindung vor 23 Uhr. Der FPÖ-Landtagsabgeordnete Heribert Mariacher fordert ebenfalls Lösungen und er kann sich sogar einen noch späteren Zug in den Bezirk vorstellen.

Mit Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler (ÖVP), St. Johanns Bürgermeister Stefan Seiwald (ÖVP) und Gemeinderat Alois Leiter (SPÖ) aus Kirchberg, der Bürgermeister Helmut Berger vertrat, waren auch offizielle Vertreter der drei größten Gemeinden des Bezirks anwesend. „Die Forderungen der Pendler liegen seit Jahren auf dem Tisch. Für mich ist das keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit der Bevölkerung im Bezirk. Diese darf man nicht auf die Waagschale legen“, sagt Winkler und auch Seiwald betont: „Das versteht kein Mensch, dass schon seit zweieinhalb Jahren über zwei Minuten diskutiert wird.“

Auch Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler (vorne links) war unter den Zuhörern und stellte sich auf die Seite der Pendler aus dem Bezirk.
- Verena Hofer

Alexander Jug, Regionalleiter der ÖBB, und Andreas Knapp, Verkehrsplaner des VVT, erklärten, dass die Fahrplanerstellung immer ein Kompromiss sei. Doch auch Jug erklärte, dass der ÖBB diese acht Verbindungen, die in Wörgl den Anschluss verpassen, ein Dorn im Auge sind, und er legte auch gleich zwei Lösungsvorschläge vor. Die Änderungen würden bereits mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 möglich sein. Dazu notwendig sei aber, dass die acht Züge nicht mehr in der Haltestelle Windau (Westendorf) stehen bleiben. „Hier haben wir täglich drei Ein- und Ausstiege“, sagt Jug. Die zweite Lösung sieht auch noch ein Auslassen der Haltestelle Gries­wirt (St. Johann) vor, dann wäre sogar ein bahnsteiggleiches Umsteigen in Wörgl möglich. „Das geht aber nur, wenn die Bürgermeister zusagen, drüberfahren werden wir nicht“, sagt dazu Hermann Weratschni­g, der die zuständige LHStv. Ingrid Felipe vertrat. Für die Pendler würde die Änderung achtmal am Tag eine um 37 Minuten schnellere Fahrt nach Innsbruck bedeuten.

Auch in Sachen schnelle Verbindung um 6.50 Uhr und zurück um 17.30 Uhr gab es ein Versprechen. „Wenn es hier jeweils einen Zug gibt, der verfügbar ist, ließe sich das recht einfach umsetzen“, sagt Knapp und Jug versprach, das in den kommenden zwei Wochen zu prüfen. Hier sei aber die Finanzierung der beiden zusätzlichen Verbindungen ein Thema. „Ich werde die Anliegen mit nach Innsbruck nehmen“, betont Verkehrssprecher Weratschnig.

Hans Kobler und Stefan Grässle diskutierten unter der Leitung von TT-CR Mario Zenhäusern mit Hermann Weratschnig, Alexander Jug und Andreas Knapp (v. l.) mit den Zuhörern über die Pendler­problematik im Bezirk Kitzbühel. Mitdiskutiert haben auch AK-Fahrgast-Obmann Martin Teißl (r. o.) und der Kirchberger Gemeinderat Alois Leiter (r. u.).Fotos: Hofer
- Verena Hofer