Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.03.2015


Jenbach

Lokomotive für deutsche Schmalspurbahn wieder fit

Know-how aus der Zillertalbahn-Werkstätte für Museumsbahn in Baden-Württemberg. Eine Lok-Rarität ist ab April wieder im Einsatz.

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© Zwicknagl



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Mehr als ein Jahr stand die Bahnfreunden sehr bekannte Württembergische Mallet-Dampflok 99.633 in der Werkstätte der Zillertalbahn und wurde vom Team unter Roland Hölbling wieder einsatzfähig gemacht. Sie wird dann ab 25. April auf der mehr als 22 Kilometer langen Strecke zwischen Ochsenhausen und Warthausen keuchen. „Wir freuen uns schon darauf“, meinte gestern Bernhard Günzl vom Vorstand der Museumsbahn, ehe die 21 Tonnen schwere Lok auf einem Tieflader die 250 Kilometer lange Reise antrat.

Gegründet wurde die Schmalspurbahn im Jahr 1899 als Königlich-Württembergische Staats-Eisenbahn, gehörte dann zur Deutschen Reichsbahn und war schließlich im Besitz der Deutschen Bundesbahn, ehe im Jahr 1983 der Verkehr eingestellt wurde. Idealisten hauchten der Bahn wieder neues Leben ein. Im Jahr 2002 wurde zum dritten Mal der Fahrbetrieb aufgenommen. Heute sind der Landkreis Biberach, die Anliegergemeinden und eine Tourismus GmbH im Besitz der Museumsbahn.

„3000 Arbeitsstunden haben wir benötigt. Samt dem neuen Kessel waren 250.000 Euro zu investieren“, berichtet ZB-Werkstättenleiter Hölbling. Die Probefahrt durchs Zillertal gab es schon im November 2014. Auch eine Dampflok der Bregenzerwaldbahn wartet in Jenbach noch auf die Hauptuntersuchung. „Wir werden bald auch die alte ZB-Lok Raimund, die vor dem Jenbacher Museum gestanden ist, wieder aufpolieren. Allerdings suchen wir noch einen Sponsor für ein Gehäuse aus Glas und Metall, um Witterungschäden und Vandalismus auszuschließen“, stellt ZB-Vorstand Wolfgang Stöhr fest.

„Unsere Leistungen für andere Dampfzugbetreiber führen zu einer Win-win-Situation. Es gibt damit Ganzjahresbeschäftigung in unserem Bahnbetriebswerk. Zudem tragen wir so beträchtlich zur Kostendeckung für den Dampfzug der Zillertalbahn bei“, weiß Andreas Lackner als kaufmännischer Leiter.