Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.04.2015


Osttirol

Mit Badeschluss geht eine Ära zu Ende

40 Jahre öffentliches Baden in Osttirol nahmen am Ostermontag mit einem Gratis-Badetag ihr Ende. Das Dolomiten-Hallenbad wird abgerissen und neu gebaut, manch ein Gast sieht das mit Wehmut.

© BlassnigEva, Lorenz und Marian (v. l.) wagen sich am Rand schon ins tiefe Becken.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Die grünen Wandfliesen und orangen Kabinengänge des Hallenbades im Dolomitenbad kennt in Osttirol seit Jahrzehnten jedes Kind. Am Ostermontag war ein letztes Mal Gelegenheit, diese Badestätte zu besuchen. Schon am Vormittag war das Bad sehr gut besucht.

Im Eingangsbereich schlägt einem die gewohnt trocken-warme Luft entgegen. Im Glashäuschen hinter der Kasse sitzt Cornelia Reiter. „Bitte einfach durchgehen. Heute ist frei!“ Cornelia denkt noch nicht an Wehmut: „Noch kann man es gar nicht glauben, dass es das alles nicht mehr geben wird. Ich bin aber froh, wenn neue Kassensysteme kommen. Das Hin- und Herlaufen im Sommer hat dann ein Ende.“

Cornelia wird den Sommer über am Tristacher See ihre Arbeit am Eingang machen. „Mit Schulschluss werde ich dann für acht Monate pausieren. Dann geht es im neuen Bad wieder los, und ich darf wieder zurückkommen.“ Langweilig werde ihr sicher nicht. „Es gibt als Mutter eines schulpflichtigen Kindes auch sonst genug zu tun. Und es schadet vielleicht gar nicht, einmal aus dem gewohnten Jahresrhythmus herauszukommen.“

Eva, Lorenz und Marian (v. l.) wagen sich am Rand schon ins tiefe Becken.
- Blassnig

Die ehemalige Profi-Schwimmerin Verena Klocker zieht mit ihrer Schwester Daniela Außerlechner Wellenbahnen in die Wasseroberfläche. „Es ist schon etwas Besonderes. Hier hat für uns beide alles angefangen.“ Die Schwestern sehen sich an und nicken wissend. „Ich habe in Innsbruck genug Möglichkeiten“, sagt Verena Klocker. Für Daniela wird es aufwändiger: „Mit den Kindern ist Kötschach-­Mauthen die nächste Alternative. Sonst bleibt nur Spittal, wo es auch insgesamt neun Fünfundzwanzig-Meter-Bahnen gibt. Innichen ist zum Sportschwimmen zu klein und zu warm, und Mittersill ist gleich weit weg wie Spittal.“

Am Beckenrand liegt wie seit sieben Jahren fast täglich Rupert Eder auf seinem Stamm-Liegestuhl, liest, hört Musik und beobachtet das Geschehen in der Schwimmhalle. „Es war sehr schön, ich kann es nicht anders sagen. Neben Radfahren und Wandern ist das Schwimmen meine liebste Beschäftigung als Pensionist. Und ich darf auch sagen, dass die Senioren-Jahreskarte mit 148 Euro schon sehr günstig ist – ich hoffe, sie wird im neuen Bad nicht zu teuer.“

Rene Mayer und Thomas Leiler sind noch jung und haben es sich ebenfalls in zwei Liegestühlen gemütlich gemacht. „Wir sind zwar nicht so häufig ins Hallenbad gegangen“, verraten die beiden. „Aber wir waren hier das erste Mal in der Sauna!“, strahlen sie aufgeregt. „Schade, dass der Umbau so lange dauert, aber wir freuen uns auf das neue Bad. Und auf die Sauna!“

„Wegen uns hätte es gar kein neues Bad gebraucht. Wie es ist, ist es gut genug!“ Eine Gruppe Pensionisten unterhält sich im Freibecken. Nur Siegfried Manfredi will auch etwas sagen: „Wir sind wie eine Familie hier im Familienbad, mit vielen Bekannten. Wir unterhalten uns bestens über die Blumen, das Kochen, und das Universum.“ Man sei alt, und da würde das alte Bad besser passen als ein neues. „Ob es im neuen wieder so fein sein wird?“, hegt man Zweifel.

Im Kleinstkinder-Becke­n wird gesessen und geplantscht. Im mittleren zählt das Spiel, und erste Schwimmversuche können im tieferwerdenden Wasser unternommen werden. Da ist am meisten los. Im großen Schwimmbecken ist zu jeder vollen Stunde für zehn Minuten das Sockelspringen erlaubt.

Bürgermeisterin Elisabeth Blanik hat am Abend des Ostermontags zu einem kleinen Umtrunk mit Jause in das alte Dolomitenbad geladen und die letzten Badegäste verabschiedet. Der Frei- und Hallenbadkomplex wird für eineinhalb Jahre geschlossen bleiben. Nach dem Um- und Neubau soll im Herbst 2016 ein neues Dolomiten-Erlebnisbad die kleinen und großen Wasserfreunde aufnehmen.