Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.04.2015


Gesellschaft

Agrar muss nach Rodung am Lech alles wiederaufforsten

Unterpinswanger wollten ihre alte Viehweide nahe dem Fluss der ehemaligen Nutzung zuführen. Die Behörde strafte umgehend.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Pinswang – Pinswang schätzt sich glücklich, auf einen hohen Bauernstand verweisen zu können. Über 20 aktive Viehhalter drücken dem Dorf ihren Stempel auf. In den letzten Jahren ist die Pferdehaltung besonders in Mode gekommen. Die Koppelflächen im Dorf sind jedoch rar. Da kam die Agrargemeinschaft Unterpinswang auf die Idee, eine alte Viehweide nahe dem Lech zu reaktivieren. In den letzten 30 Jahren wenig genutzt, war die ehemals freie Nutzfläche allerdings verwildert und mit typischen Lechau-Stauden übersät. Die Agrargemeinschaft beschloss vor knapp zwei Jahren, nicht lange zu fragen und das „Gestrüpp“ dem Erdboden gleich- und die mehr als einen Hektar große Fläche wieder urbar zu machen.

Der kleine Schönheitsfehler: Das ganze Areal ist Natura-2000-Schutzgebiet und damit unantastbar. Eine anonyme Anzeige tat das Ihrige. Die Naturschutzbehörde nahm die Verfolgung auf. Da halfen alle Argumente der Agrarier nichts – ihr Verweis auf die jahrhundertelange ehemalige Nutzungsform, die gute Absicht, die neugeschaffene Äsungsfläche für Wild und Ross. Die Bezirkshauptmannschaft Reutte wog alles mit den rechtlichen Vorgaben des Naturschutzes ab – und beschied eine zweiteilige Strafe. Der Agrarobmann wurde anfänglich zu 1800 Euro Strafe verdonnert. Nach Einsprüchen entschied das Landesverwaltungsgericht noch immer auf 1100 Euro. „Sollte diese Summe aus rechtlichen Gründen nicht aus dem Agrarbudget beglichen werden können, was sie eigentlich müsste, dann haben bereits mehrere Agrarmitglieder signalisiert, die Kosten unter sich aufteilen zu wollen“, sagt der Agrarsubstanzverwalter der Gemeinde Pinswang, Gemeinderat Richard Wörle. „Noch dazu, wo der Agrar­obmann selbst gar kein Vieh, also persönlichen Nutzen daraus hätte, und zum Wohle aller gehandelt hat.“ Für Wörle – er ist Bezirksbauernbundobmann – ist besagter „Auwald ein Sauwald. Gewiss nicht mehr. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen schnellstens zu ändern.“ Die Fläche sei in den letzten Jahren nutz- und wertlos gewesen und erst durch die Rodung wieder zu gebrauchen. Zudem müssten die Flächen unter der Starkstromleitung, die direkt über das Gelände verläuft, sowieso freigehalten werden, erklärt er.

Bis Ende Mai muss die gesamte Fläche eingezäunt und 1400 Bäume, davon 800 Erlen und 600 Eschen, gesetzt sein. Die Behörde verlangt die Wiederherstellung des „ehemaligen“ Zustandes unter ökologischer Bauaufsicht. Kosten von mehreren tausend Euro kommen hier auf die Agrargemeinschaft zu.

Für Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf hat der Fall nichts Besonderes an sich: „Es handelt sich um ein übliches Wiederherstellungsverfahren nach einer widerrechtlichen Rodung, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist.“ BM Karl Wechselberger, selbst Mitarbeiter der BH Reutte: „Einiges ist hier unglücklich gelaufen. Das Verfahren ist aber rechtskräftig.“ Und weitere Schritte sind für ihn damit sowieso eindeutig vorgegeben.

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