Letztes Update am Fr, 19.06.2015 14:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Nach Unwetter in Tirol: „Schaden deutlich über 30-Millionen-Grenze“

Nach der Unwetterkatastrophe im Sellrain- und Paznauntal wird weiter an der Instandsetzung von Straßen und Schutzbauten gearbeitet. Die Sellraintalstraße soll Ende Juli wieder für den gesamten Verkehr freigegeben werden. In See wird ein Schutzdamm errichtet.

Ende Juli soll die Sellrainstraße wieder für den gesamten Verkehr freigegeben werden.

© Land TirolEnde Juli soll die Sellrainstraße wieder für den gesamten Verkehr freigegeben werden.



Sellrain, See – Rund zwei Wochen nach der Unwetterkatastrophe in See und Sellrain dauern die Aufräumarbeiten weiter an. Ende Juli soll die L13 Sellrainstraße wieder für den gesamten Verkehr freigegeben werden, teilte das Land am Freitag mit. In See werde das zerstörte Geschiebebecken repariert. Parallel dazu werde die Wildbach- und Lawinenverbauung ein neues Schutzprojekt für den Schallerbach ausarbeiten. Baubeginn dafür soll noch diesen Sommer sein.

„Das genaue Schadensausmaß der Unwetterkatastrophe können wir noch nicht beziffern. Der Gesamtschaden liegt aber mit Sicherheit deutlich jenseits der 30-Millionen-Euro-Grenze“, zog LH Günther Platter eine erste Zwischenbilanz. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen wissen, dass sie nicht im Stich gelassen werden“, so Platter. 20 Millionen Euro betrage das Schadensausmaß im Bereich Landesstraßen, Wasserbau und bei der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Bereits klar sei das Schadensbild im Bereich der Landesstraßen. Die Starkregenereignisse, Erdrutsche und Muren hätten nicht nur im Sellrain und Paznaun zu massiven Schäden an den Landesstraßen geführt, sondern auch im Wipptal, im Stubaital, im Oberinntal, im Pitztal sowie im Außerfern und in Osttirol. „Der Gesamtschaden beträgt über zehn Millionen Euro, acht Millionen Euro wird allein die Wiederherstellung der Sellrainstraße kosten“, erklärt LHStv Josef Geisler. An der Sellrainstraße seien 30 Bagger im Einsatz. An der Wiederherstellung der Straßenverbindung werde mit Hochdruck gearbeitet.

2.500 Tonnen Wasserbausteine

Die Wassermassen und das Geschiebe der Melach haben auch in einigen Bereichen das Fundament der Galerien komplett freigelegt. Die freistehenden Bohrpfähle werden derzeit mit massiven Wasserbausteinen und Beton gesichert. Damit soll die Standsicherheit der Galeriebauwerke gewährleistet werden. Welche Dimensionen die Arbeiten haben, zeige das Beispiel Ludererkurvengalerie: Als Sofortmaßnahme würden dort bereits 2500 Tonnen Wasserbausteine und 300 Kubikmeter Beton verbaut.

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Trotz der massiven Schäden soll die Sellrainstraße Ende Juli wieder für den gesamten Verkehr freigegeben werden. Mit temporären Behinderungen etwa im Zuge von Kanalarbeiten sei aber zu rechnen.

Eine Großbaustelle sei die Melach auch für den Wasserbau des Landes Tirol. „Hier werden 5,5 Millionen Euro notwendig sein, um wieder geordnete Abflussverhältnisse herzustellen“, so Geisler. Auf die Räumung der Geschieberückhaltebecken und die Räumungen entlang des Bachbetts folge nun die Wiederherstellung der Ufersicherungen.

Fünf Millionen Euro für Wildbachverbauung

Allein für die Sanierung und Wiederherstellung von Schutzbauten an den Wildbächen im Katastrophengebiet werden rund fünf Millionen Euro notwendig sein. Um den Schutz der Bevölkerung bis zu Fertigstellung der neuen Schutzbauten zu gewährleisten, werde der gebrochene Damm am Schallerbach in See derzeit um 1,28 Millionen Euro repariert. Gleichzeitig werde ein neues Schutzprojekt erarbeitet – Kostenpunkt acht Millionen Euro. Baubeginn ist noch diesen Sommer.

Im Sellrain arbeitet die Wildbach- und Lawinenverbauung an einem provisorischen Becken am Saigesbach und anderen Bächen – Gesamtkosten 1,7 Millionen Euro. Mit weiteren zwei Millionen Euro sind Maßnahmen in Neustift, Polling, Hatting, Ranggen und Inzing veranschlagt.

Schäden bei Privaten und Gemeinden werden erhoben

Auch was die Schadenshöhe am Gemeindevermögen und im Bereich der Elementarschäden anlangt, würden die Erhebungen laut Landesangaben auf Hochtouren laufen. „Sobald die ersten Schätzgutachten vorliegen, beginnen wir als Soforthilfe auch mit den Vorauszahlungen“, erklären LH Platter und LHStv Josef Geisler. Für die Behebung privater Elementarschäden würden Beihilfen aus dem Katastrophenfonds in der Höhe von 50 Prozent der Schadenssumme gewährt. Damit die Sanierung schnell in Angriff genommen werden kann, werde die Hälfte der Beihilfe aus dem Katastrophenfonds ohne vorherige Rechnungslegung auf Basis der Schätzgutachten als Vorschuss ausgezahlt. (TT.com)




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