Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.07.2015


Katastrophen

Katastrophen besser lesen lernen

40 Jungwissenschafter forschten an der Datenerfassung für Umweltmonitoring.

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© Uni Ibk



Obergurgl – Das hinterste Ötztal war eine Woche lang quasi der internationale Nabel des jungwissenschaftlichen Forschungsdranges. Auf Einladung der „Innsbruck Summer School of Alpine Research“ verbrachten 40 ausgesuchte Jungforscher aus 15 Nationen eine Woche lang im Universitätszentrum Obergurgl, um sich ein verbessertes Verständnis über Auslösung, Ablauf und Auswirkungen von Naturraumprozessen auf potenziell gefährdeten Gebieten anzueignen.

Unter dem Endaspekt, Naturkatastrophen wie Hochwässer, Murenabgänge oder Rutschungen besser voraussagen zu können, beschäftigten sich die Akademiker aus den Fachrichtungen Geo- und Atmosphärenwissenschaften, Geoinformatik und Fernerkundung mit den neuesten Entwicklungen der Sensortechnologie, Nahbereichsvermessung und innovativen Auswertemethoden. „Ziel war es, den Teilnehmern die Dokumentation von Veränderungen zu vermitteln“, berichtet Martin Rutzinger, vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck, „deshalb beschäftigten wir uns mit hochauflösende Datenerfassungstechnologien für das Umweltmonitoring. Dabei kamen terrestrische Photogrammetrie, Laserscanning, thermographische Verfahren und unbemannte Luftfahrzeuge zum Einsatz. Die „Sommerschüler“ paukten also nicht nur theoretisches Wissen mittels Referaten in den Seminarräumen, sondern gingen auch hinaus in die Bergwelt, die in Obergurgl dafür prädestiniert ist. Martin Rutzinger: „Die Veranstaltung gab den Teilnehmern die einzigartige Möglichkeit, theoretisches Wissen von rund 20 renommierten Wissenschaftern der einzelnen Fachrichtungen direkt im Hochgebirge in die Praxis umzusetzen.“ Dabei wurde in Kleingruppen zu verschiedenen Thematiken gearbeitet, beispielsweise reale Hangrutschungen gemessen, im Rotmoostal Erosionen untersucht oder am Gletscher in der „Hohen Mut“ Veränderungen untersucht.

Die große Nachfrage an der Veranstaltung zeige den Bedarf an innovativen Aufnahme- und Analysetechniken für hochauflösendes Beobachten von Naturraumveränderungen. Die Auswertungen am heutigen Tag bilden den Abschluss. (TT, huda)