Letztes Update am Mi, 18.11.2015 11:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Terror in Paris

Tiroler erlitt zwei Schusswunden, White Miles sagen Konzerte ab

Am Dienstag landete ein Ambulanzjet der Tyrol Air Ambulance in Innsbruck. An Bord war der verletzte 20-jährige Mann aus Tarrenz, der am Freitag in Paris angeschossen wurde. Er ist laut Klinik „vollkommen stabil“, muss aber noch operiert werden. Die „White Miles“ haben indes weitere Konzerte abgesagt. Eine Show in Innsbruck will das Tiroler Duo aber spielen.

© zeitungsfoto.atDaniel B. wurde vier Tage nach dem Anschlag von Paris nach Tirol überstellt.



Innsbruck – Der 20-jährige Tiroler, der am vergangenen Freitag bei den Terroranschlägen in Paris schwer verletzt wurde, ist nach seiner Verlegung an die Klinik Innsbruck am Dienstagabend untersucht und anschließend auf eine Beobachtungsstation verlegt worden. „Er ist weiterhin vollkommen stabil, wach und ansprechbar“, hieß es am Mittwoch kurz vor Mittag in einer Klinik-Aussendung.

Der Tarrenzer war am Dienstag von Paris mit einem Ambulanzjet nach Innsbruck geflogen worden und gegen 18 Uhr am Flughafen gelandet. Von dort brachte ihn ein Ärzteteam in die Klinik.

Der 20-Jährige hat laut Klinik bei dem Terroranschlag zwei Schussverletzungen erlitten, „die in Paris sehr gut versorgt wurden“. Der junge Mann habe aber zumindest noch einen chirurgischen Eingriff vor sich. Dieser sei aber nicht dringend und werde innerhalb der nächsten Tage durchgeführt, hieß es in der Aussendung.

Vater suchte seinen Sohn in Paris

Wie berichtet, wurde der junge Mann am Freitag in Paris während der Terroranschläge in der Konzerthalle Bataclan während eines Konzerts der „Eagles of Death Metal“ angeschossen. Für seinen Vater und den befreundeten Arzt Köhle begann eine Odyssee, da zunächst völlig unklar war, wo sich der 20-Jährige aufhielt. Nach 24 Stunden bangen Suchens wurde er schließlich von seinem Vater in einem Krankenhaus gefunden. Dort wurde der Mann notoperiert. Eine Verlegung nach Tirol war aufgrund seines Gesundheitszustandes bis Dienstag nicht möglich.

„White Miles“ melden sich zu Wort

Die Tiroler Band „White Miles“, die am Abend der Anschläge als Vorband der „Eagles of Death Metal“ auftrat, hat sich indes in einer Aussendung an die Medien gewandt. Das Duo hatte sich gerade bei einem Imbiss etwas zu essen geholt, als im Bataclan die ersten Schüsse fielen. Seit Sonntag sind die beiden wieder in Tirol und werden seither mit nationalen und internationalen Presseanfragen überhäuft.

„Wir sind gesund, das Erlebte ist jedoch noch zu nahe, die Eindrücke zu bewegend“, schrieben Medina Rekic und Hansjörg Loferer Mittwochmittag mit der Bitte um etwas mediale Ruhe. Ein Mitarbeiter ihrer Crew, der Merchandising-Artikel der Band verkaufte, sei erschossen worden. Ein guter Freund sei angeschossen worden, „er ist aber Gott sei Dank mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung“. „Es fällt uns schwer, die schrecklichen Ereignisse zu verarbeiten.“

Sie seien glücklich und unglücklich zugleich, schreiben Rekic und Loferer weiter. „Glücklich, weil wir wieder im Kreise unserer Familien sein dürfen, die uns derzeit ungemein helfen, dass wir uns sicher fühlen. Unglücklich, weil wir wissen, dass viele andere Familien seit dem Wochenende trauern müssen.“

Innsbruck-Konzert in Erinnerung an Crew-Mitglied

Die weiteren Tour-Termine der Tiroler mit den „Eagles of Death Metal“ wurden abgesagt. Auch Konzerte der „White Miles“ in Portugal, Spanien und der Schweiz werden nicht stattfinden.

Das Innsbruck-Konzert am 17. Dezember in der p.m.k. soll aber wie geplant stattfinden – „in Gedenken an unseren verlorenen Freund Nick Alexander“, teilte die Band mit.

Auf das mit ungefähr 1.500 Menschen ausverkaufte Bataclan in der Pariser Innenstadt wurde am Freitagabend der folgenschwerste Angriff verübt. Die Attacke begann gegen 21.30 Uhr und forderte nach Medienberichten etwa 100 Tote. Kurz nach Mitternacht stürmten Einsatzkräfte der Polizei den Saal, in dem die Attentäter Geiseln genommen und wahllos in die Menge geschossen hatten. (ema, tt.com)