Letztes Update am Mi, 24.08.2016 13:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdbeben in Italien

„Zehn Sekunden haben gereicht, um alles zu zerstören“

Nach dem verheerenden Erdbeben vom Mittwoch sieht es in vielen mittelitalienischen Dörfern aus wie nach einem Bombeneinschlag. Einwohner berichten von apokalyptischen Szenen.

Helfer durchsuchen die Trümmer nach Überlebenden.

© AFP PHOTO / FILIPPO MONTEFORTEHelfer durchsuchen die Trümmer nach Überlebenden.



Von Annette Reuther, dpa

Arquata del Tronto – Es sind diese schrecklichen Bilder, die sich in Italien in die Erinnerung eingebrannt haben. Eingestürzte Häuser, Menschen, die aus Trümmern gezogen werden, Spürhunde, Tränen, Verzweiflung. Erdbeben kennt man hier, aber dieses Beben war besonders heftig.

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- AFP

Dieses Mal traf es die mittelitalienische Region um Latium, Umbrien, Abruzzen und den Marken. Bis nach Rom und die Adria-Küste waren die Erdstöße in der Nacht auf Mittwoch zu spüren. Die Angaben zur Stärke des Bebens schwanken zwischen 6 und 6,2.

Wie nach einem Bombenangriff

Im Zentrum des Bebens: Die Dörfer Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto. Dort sieht es aus wie nach einem Bombenangriff, Trümmer, Staub, eingerissene Häuser. Von Dutzenden Toten ist die Rede. Die Zahl steigt kontinuierlich. Kinder werden vermisst, ein wenige Monate altes Baby wurde tot geborgen.

Rettungskräfte bergen einen Menschen mit einer Trage nach dem verheerenden Erbeben in Amatrice am 24. August 2016.
Rettungskräfte bergen einen Menschen mit einer Trage nach dem verheerenden Erbeben in Amatrice am 24. August 2016.
- REUTERS

Nicht weit von hier ereignete sich 2009 das fatale Erdbeben von L‘Aquila, bei dem mehr als 300 Menschen gestorben sind. Es hatte die gleiche Stärke wie das jetzige. „Das, was wir in L‘Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen“, sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi. „Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor.“ Ein Einwohner, Marco, erzählte Reportern: „Ich habe durch ein Wunder überlebt. Ich bin gerade aufgestanden, als alles eingestürzt ist. Zehn Sekunden haben gereicht, um alles zu zerstören.“

„Apokalyptische Szenen“

Der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci berichtete mit zitternder Stimme, kein einziges Haus sei mehr bewohnbar. Die Bausubstanz ist marode. Die Häuser sind teils Jahrhunderte alt - und stürzten bei den schweren Erdstößen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Journalisten vor Ort sprachen von „apokalyptischen Szenen“, Helfer schaufelten mit bloßen Händen die Trümmer zur Seite, um Überlebende zu finden. Die Retter kommen schwer zu den betroffenen Orten - Straßen sind blockiert, Brücken einsturzgefährdet.

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Genauso schlimm sieht es in Pescara del Tronto aus. Hier sind mehrere Tote zu beklagen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern wurde verschüttet - kein Lebenszeichen von ihnen. „Es war schrecklich. Mein Mann ist mit meiner Tochter aus dem Fenster gesprungen, um sie zu retten“, erzählte eine Frau. In einem anderen Fall rettete eine Großmutter ihre vier und sieben Jahre alten Enkel, weil sie sie unter einem Bett geschützt hatte. (APA/dpa)

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