Letztes Update am Sa, 27.08.2016 08:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdbeben in Italien

Trauerfeier für Erdbeben-Opfer, Zahl der Toten stieg auf 284

Es soll der „Tag der Trauer“ sein. Italiens Staatsspitzen kommen zusammen, um der Toten der Erdbebenkatastrophe zu gedenken. Die Retter wollen ihre Hoffnung auf Überlebende derweil noch nicht aufgeben.

Das Erdbeben vom 24. August 2016 richtete in Mittelitalien schwere Zerstörungen an.

© APA/AFP/MARIO LAPORTADas Erdbeben vom 24. August 2016 richtete in Mittelitalien schwere Zerstörungen an.



Rom, Amatrice – Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Italien nimmt das Land mit einem Staatsbegräbnis Abschied von den Opfern. Zur Trauerfeier am Samstag (11.30 Uhr) in der Kathedrale von Ascoli Piceno werden auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi erwartet. Am Tag der nationalen Trauer werden in ganz Italien die Flaggen auf halbmast gesetzt. Bei der Zeremonie wird vor allem der Opfer in den Marken gedacht.

Nachbeben sorgen für Angst und Schrecken

Indes ist die Zahl der Toten auf 281 gestiegen. 388 Menschen wurden verletzt und mindestens 2500 sind obdachlos. Viele von ihnen verbrachten die Nacht in Zeltlagern, andere übernachteten in Autos vor ihren zerstörten Häusern. Sie befürchten Plünderungen. Die Kontrollen wurden verschärft.

Eine offizielle Zahl zu den Vermissten gab es nicht. In Amatrice, wo mehr als 220 Menschen starben, werden noch 15 Personen gesucht. In der Region Marken wurden keine Vermissten mehr gemeldet.

Inzwischen nehmen die Nachbeben in Amatrice kein Ende. Um 4.58 Uhr wurde ein Erdbeben mit Magnitude 4 gemeldet. Er riss die vielen Obdachlosen aus dem Schlaf, die in den Zeltlagern die Nacht verbrachten. 220 Nachbeben wurden allein am Freitag registriert, 1331 insgesamt.

In Amatrice wird inzwischen weiter nach Verschütteten gesucht. Innenminister Angelino Alfano lobte die Arbeit der Rettungsmannschaften. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. Beim Wiederaufbau in Amatrice will sich der Bürgermeister der Ortschaft, Sergio Pirozzi, an Trentino Südtirol ein Beispiel nehmen. „Wir wollen Orte lokalisieren, an denen wir Holzhäuser nach dem Modell von Trentino Südtirol und der Schweiz aufbauen können, die für diese Gegend angemessen sind. Wir wollen kein Ghetto. Die Gemeinschaft muss auf dem eigenen Territorium bleiben. Wir wollen unsere Identität bewahren“, meinte Pirozzi.

Schule soll gebaut werden

In Amatrice wird inzwischen weiter nach Verschütteten gesucht. Innenminister Angelino Alfano lobte die Arbeit der Rettungsmannschaften. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. Beim Wiederaufbau in Amatrice will sich der Bürgermeister der Ortschaft, Sergio Pirozzi, an Trentino Südtirol ein Beispiel nehmen. „Wir wollen Orte lokalisieren, an denen wir Holzhäuser nach dem Modell von Trentino Südtirol und der Schweiz aufbauen können, die für diese Gegend angemessen sind. Wir wollen kein Ghetto. Die Gemeinschaft muss auf dem eigenen Territorium bleiben. Wir wollen unsere Identität bewahren“, meinte Pirozzi.

Ein wesentlicher Schritt sei der Aufbau einer mobilen Struktur, die als Schule dienen könne. „Der Beginn des Schuljahres steht bevor. Eine Schule ist wichtig, wollen wir eine Abwanderung aus Amatrice verhindern“, betonte Bürgermeister Pirozzi. Danach müsse der historische Kern der Gemeinde aufgebaut werden. Als Modell sollten die erfolgreichen Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben in Friaul 1976 dienen.

Zweite Trauerfeier am Dienstag

Der 52-jährige Pirozzi, der sein ganzes Leben lang in Amatrice verbracht hat, zeigte sich optimistisch, dass seine Gemeinschaft trotz der hohen Anzahl an Todesopfern den Neubeginn schaffen könne. Der Weg zur Normalität ist jedoch noch lang und hürdenreich. Wegen eines Nachbebens mit Magnitude 4.8 ist seit Freitag eine Brücke, die direkt nach Amatrice führt, gesperrt. Weitere wackelige Gebäude brachen ein. Der ganze historische Kern Amatrice wurde abgeriegelt und ist lediglich den Rettungsmannschaft zugänglich.

Präsident Mattarella wird am Samstagfrüh vor dem Staatsbegräbnis auch zu einem Besuch in Amatrice erwartet. Dort soll kommenden Dienstag eine weitere Trauerfeier stattfinden. 43 Tote müssen noch identifiziert werden, andere haben die Angehörigen bereits zu sich genommen. Auch bei der Trauerfeier nächste Woche soll Ministerpräsident Renzi teilnehmen. (APA/dpa)