Letztes Update am Mi, 02.11.2016 08:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katastrophen

Erdbeben in Italien: 22.000 Menschen vom Zivilschutz versorgt

Obwohl den Obdachlosen Hotelzimmer an der Adria angehoten wurden, weigerten sich viele Menschen ihre zerstörten Gemeinden zu verlassen.

 Viele von den Betroffenen im Erdbebengebiet besitzen Bauernhöfe und damit Tiere, andere befürchten die Plünderung ihrer Wohnungen.

© AFP Viele von den Betroffenen im Erdbebengebiet besitzen Bauernhöfe und damit Tiere, andere befürchten die Plünderung ihrer Wohnungen.



Rom, Macerata – Die Erde in Mittelitalien kommt nicht zur Ruhe. Nach dem neuen Erdbeben mit der Stärke 4,8 auf der Richterskala am Dienstagvormittag wurden in den Regionen Marken und Umbrien 22.000 Menschen in den Unterkünften des Zivilschutzes versorgt. Die Zahl der Obdachlosen wird aber weit höher geschätzt. Mehrere Nachbeben wurden registriert.

Obwohl den Obdachlosen Hotelzimmer an der Adria angeboten wurden, weigerten sich viele Menschen ihre zerstörten Gemeinden zu verlassen. Viele von ihnen besitzen Bauernhöfe und damit Tiere, andere befürchten die Plünderung ihrer Wohnungen. „Wir werden niemanden zwingen, seine Gemeinde zu verlassen. Doch angesichts des Winters müssen wir den Menschen Lösungen anbieten“, sagte der italienische Premier Matteo Renzi bei einem Besuch in dem zerstörten Dorf Preci in Umbrien am Dienstagnachmittag. Er bekräftigte seine fest Absicht, das Erbebengebiet wieder aufzubauen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Accumoli in der Region Latium, die bereits beim Erdbeben im August schwere Schäden erlitten hatte, ordnete die komplette Räumung des Dorfes an. „Es besteht konkrete Gefahr weiterer Einstürze. Sogar die Rettungskräfte sind gefährdet“, sagte der Bürgermeister Stefano Petrucci. „Die Situation ist extrem schwierig. Das können wir nicht leugnen. Wir arbeiten an Lösungen, damit der Bevölkerung akzeptable Lebensbedingungen in ihrem Gebiet garantiert werden können“, sagte der mit dem Wiederaufbau beauftragten Regierungskommissar Vasco Errani. Wichtig sei unter anderem eine rasche Wiedereröffnung der Schulen.

Laut Erdbebenwarte hat sich die Erde bei dem Beben am Sonntag, das stärkste seit 36 Jahren, auf einer Fläche von 130 Quadratkilometern deformiert, die größte Verschiebung wurde mit 70 Zentimetern in der Gegend um das umbrische Dorf Castelluccio nahe Norcia festgestellt. Fast 197 Gemeinden hätten Schäden erlitten, das sind drei Mal so viele wie beim Erdbeben am 24. August mit dem Epizentrum Amatrice, bei dem 298 Menschen ums Leben gekommen waren. (APA)