Letztes Update am Di, 29.08.2017 21:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tropensturm „Harvey“

Trump besuchte Texas, Louisiana rüstet sich für Fluten

Weiterhin herrschen in Texas chaotische Zustände, erste Auswirkungen zeigen sich auch in der US-Wirtschaft. US-Präsident Trump überzeugte sich in der texanischen Hauptsdtadt Corpus Christi selbst von den Auswirkungen des Tropensturms.

US Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump bei ihrer Ankunft in Corpus Christi, Texas.

© AFPUS Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump bei ihrer Ankunft in Corpus Christi, Texas.



Houston (Texas) - In den von Überschwemmungen verwüsteten Teilen des US-Bundesstaates Texas kämpfen die Menschen weiter mit den Folgen des Tropensturms „Harvey“. In der besonders schwer getroffenen Stadt Houston lief ein Damm über. Ein anderer in Brazoria County brach.

Auch der Bundesstaat Louisiana rüstete sich für Überflutungen. In beiden Bundesstaaten gilt der Notstand. US-Präsident Donald Trump machte sich in der texanischen Stadt Corpus Christi ein Bild von der Lage. Trump dankte den Rettungskräften und den Vertretern örtlicher Behörden für ihre Leistungen im Kampf gegen die Fluten. Es sei jedoch noch zu früh, sich gegenseitig zu gratulieren. „Das tun wir erst, wenn es vorbei ist“, sagte der Präsident.

Noch immer werden Leute in Houston evakuiert.
Noch immer werden Leute in Houston evakuiert.
- AFP

Der Präsident wollte nach seinem Kurzbesuch in der Hafenstadt eigentlich in Texas‘ Hauptstadt Austin weiterreisen. Doch seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, der Zeitplan könne sich wegen des anhaltend schlechten Wetters in der Gegend ändern.

Drei bestätigte Tote, Medien berichten von bisher neun

Die Lage in Texas war am Dienstag unübersichtlich, über die genaue Zahl der Todesfälle herrschte Unklarheit. Offiziell bestätigt wurden zunächst drei Tote. US-Medien meldeten aber höhere Zahlen. Der Sender KHOU berichtete von mindestens neun Toten.

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Nach dem Dammbruch in Brazoria County forderten die Behörden die Anrainer auf, die Gegend umgehend zu verlassen.

Kampf gegen Wassermassen, Infrastruktur völlig zerstört

Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Rettungskräfte kämpften sich mit Booten durch die braunen Wassermassen, um festsitzende Menschen aus ihren Häusern zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Allein in der Metropole sollen 30.000 Menschen n Notunterkünften ausharren,

Bereits erste Auswirkungen auf US-Wirtschaft

Entlang der texanischen Golfküste - die etwa die Hälfte der amerikanischen Raffineriekapazität ausmacht - haben mehrere Großraffinerien den Betrieb eingestellt oder gedrosselt. Die gesamte amerikanische Produktion ist wegen „Harvey“ schon um 15 Prozent verringert.

An den Terminmärkten hat der Benzinpreis seit Mittwoch vergangener Woche um knapp acht Prozent angezogen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) werden aber die auf Rekordhöhen befindlichen US-Lagerbestände aber potenzielle Engpässe abmildern. Das gelte sowohl für raffinierte Produkte wie Treibstoff als auch für Rohöl. Zudem könnte die IEA auch Notreserven freigeben.

Auch die Chemieindustrie ist in Texas beeinträchtigt. Der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik etwa schloss zwei Standorte. Die Höhe des Schadens sei noch nicht zu beziffern. Auch bei der Bayer-Tochter Covestro gibt es Einschränkungen.

Einer der zehn teuersten Tropenstürme der US-Geschichte

Experten gehen davon aus, dass allein die versicherten Schäden eine Summe von 20 Milliarden Dollar erreichen könnten.Damit würde der Tropensturm zu den zehn teuersten in der US-Geschichte zählen. Die Summe ist aber deutlich unten den 75 Milliarden Dollar, die Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 kostete.

Menschen suchen im George R. Brown Convention Center in Houston Schutz vor den Wassermassen.
Menschen suchen im George R. Brown Convention Center in Houston Schutz vor den Wassermassen.
- AFP

Louisiana bereitet sich auf kommende Tage vor

Auch im Nachbarstaat Louisiana werden in den kommenden Tagen heftige Auswirkungen befürchtet. In New Orleans blieben Schulen und Behörden am Dienstag geschlossen. Bürgermeister Mitch Landrieu empfahl den Bewohnern, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Trinken und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig haben. Über die Woche sollten rund 25 Zentimeter Regen in der Region fallen. Gouverneur John Bel Edwards sagte, Louisiana stehe das Schlimmste aller Wahrscheinlichkeit nach noch bevor.

„Die größte Gefahr sind weiterhin die Regenfälle“, sagte ein Sprecher des Hurrikanzentrums, Dennis Feltgen, am Dienstag. „Es ist nicht vorbei“, warnte er. In New Orleans hatte es am Dienstagmorgen bereits geregnet; die örtliche Wetterbehörde sagte voraus, dass bald Sturzfluten eintreten würden. Der Tropensturm ist für die Stadt besonders gefährlich, weil sie unterhalb des Meeresspiegels liegt.

Nach Angaben von Meteorologen ist „Harvey“ der zweitstärkste Wirbelsturm, seit „Katrina“ vor zwölf Jahren die Gegend um New Orleans schwer in Mitleidenschaft zog. Der Sturm sog über dem am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. (APA/dpa/Reuters)