Letztes Update am So, 29.10.2017 20:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zahlreiche Einsätze

Heftiger Sturm tobte in Österreich: Feuerwehren im Dauereinsatz

In Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, Salzburg, dem Burgenland und der Steiermark haben die teils orkanartigen Sturmböen mehr als 4000 Feuerwehreinsätze ausgelöst. Die Windspitzen erreichten im Flachland bis zu 140 km/h, auf den Bergen bis zu 200 Stundenkilometer.

© APA/SpitzbartSymbolfoto.



Linz, St. Pölten, Wien - Während Tirol relativ glimpflich davongekommen ist, hat Sturmtief "Herwart" im Nordosten Österreichs seit dem späten Samstagabend mehr als 4000 Feuerwehreinsätze erfordert. Dies geht aus Feuerwehr-Berichten aus Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, Salzburg, dem Burgenland und der Steiermark hervor.

Am Sonntag ab 6 Uhr ging es laut Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich so richtig los, gegen 9 Uhr hätten die Einsätze noch einmal massiv zugenommen. Der Sturm habe bereits vor 8 Uhr Windspitzen von deutlich über 100 km/h erreicht. "Auf den Bergen werden die höchsten Windspitzen gegen Mittag in vielen Regionen um 150 Stundenkilometer liegen. Stellenweise sind auch 200 km/h möglich, besonders in den Gipfelregionen vom Dachstein bis zum Schneeberg", sagte Stefan Kiesenhofer, Meteorologe der ZAMG, im Vorfeld.

Am Feuerkogel (1618m) in Oberösterreich wurde mit knapp 180 km/h die höchste Windgeschwindigkeit gemessen. Durch Enns (Bezirk Linz-Land) fegte gegen Mittag mit 140 km/h die stärkste Windböe auf bewohnten Gebiet.

Stromausfälle und abgedeckte Hausdächer in Oberösterreich

In Oberösterreich waren zu Spitzenzeiten mehr als 8000 Feuerwehrleute im Einsatz und mehr als 75.000 Haushalte hatten zeitweise keinen Strom. Mario Leidinger vom Landesfeuerwehrkommando nannte neben den typischen Sturmeinsätzen wie das Freiräumen von Verkehrswegen sowie Sichern von Dächern und Gebäudeteile eine Reihe von komplett abgedeckten Hausdächern. In Gaflenz (Bezirk Steyr-Land) rettete die Feuerwehr zehn Personen aus einem Zug, der wegen einer gerissenen Oberleitung stoppen musste.

Die Feuerwehren rückten insgesamt zu rund 1800 Einsätzen in Oberösterreich aus. Am Nachmittag entspannte sich die Lage und die Einsatzzahl ging kontinuierlich zurück. Die Pyhrnautobahn (A9) zwischen Inzersdorf und St. Pankraz blieb am Sonntagnachmittag wegen eines vom Sturm verursachten Stromausfall bei der Tunnelkette Klaus weiterhin gesperrt.

Eingeschränkter Flugverkehr in Salzburg

Das Sturmtief hat auch in Salzburg zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt und den Flugverkehr teilweise eingeschränkt. Es mussten einige Flugverbindungen gestrichen und umgeleitet werden. Die Berufsfeuerwehr verzeichnete ab Sonntag 7 Uhr 90 Einsätze mit rund 100 Mann in der Stadt Salzburg. Außerhalb der Stadt waren 53 Feuerwehren mit rund 1300 Mann unterwegs und entfernten laut Landesfeuerwehrkommando hauptsächlich umgestürzte Bäume in Freileitungen oder von Straßen. Die rund 300 Sturmeinsätze konzentrierten sich auf das Flachgau, Pinzgau, Pongau und Tennengau.

- APA

Nahezu ganz Niederösterreich betroffen

In Niederösterreich wütete der Sturm in nahezu allen Regionen. Massiv betroffen waren die Bezirke Amstetten, Melk und Krems, Mödling und Baden. Verletzte wurden bis dato nicht gemeldet, die Arbeit der Feuerwehren bestand nach Angaben von Sprecher Franz Resperger zu 90 Prozent darin, umgestürzte Bäume von Strom- oder Telefonleitungen sowie Straßen zu beseitigen, Kamine und Dächer sowie instabile Fassadengerüste zu sichern. Im Waldviertel waren vorübergehend Tausende Haushalte ohne Strom. Am Nachmittag hielt man bei insgesamt 1000 Einsätzen. 3000 Feuerwehrleute waren mit der Schadensbekämpfung beschäftigt, ein Ende sei noch nicht in Sicht, so Resperger.

Einen spektakulären Einsatz hatte die Feuerwehr in der Gemeinde Nasswald im Bezirk Neunkirchen zu bewältigen. Wie das Landeskommando berichtete, war von einem Gasthaus "das halbe Dach davon geflogen und am selbigen des Nachbarhauses gelandet". Mithilfe einer Drehleiter sollte das offene Dach provisorisch abgedeckt werden.

Oberirdischer Verkehr am Wiener Hauptbahnhof eingestellt

In Wien verzeichnete die Feuerwehr etwa 600 zusätzliche Einsätze zum normalen Aufkommen. Der spektakulärste Einsatz lief beim Wiener Hauptbahnhof, wo 65 Feuerwehrleute mit 18 Fahrzeugen im Einsatz standen. Sie versuchten die großen Teile an der Fassade des in Bau befindlichen Hauses zu sichern und kleinere Teile in die Bahnhofshalle zu bringen. Alarmstufe zwei war ausgelöst.

Die Bahnsteige waren für Menschen gesperrt, damit war auch der oberirdische Bahnhofsbetrieb lahmgelegt. Züge konnten zwar durchfahren, sie konnten aber nicht halten und Passagiere ein- oder aussteigen lassen. Der Betrieb wurde damit über den Bahnhof Meidling abgewickelt. Kurz vor 15 Uhr sagte Schauer, dass sich der Einsatz langsam dem Ende zuneige.

Weitgehend normal lief der Betrieb am Wiener Flughafen ab. "Die Abwicklung läuft normal", sagte Flughafensprecher Peter Kleemann zur APA. Abgesehen von wenigen kleinen Verspätungen am Vormittag gab es demnach keine Auswirkungen des Sturms.

Schäden auch im Burgenland und in der Steiermark

Im Burgenland galt es ebenso, Straßen freizumachen und Sturmschäden zu beseitigen. Die Landessicherheitszentrale verzeichnete mehr als drei Dutzend Einsätze.

In der Steiermark waren am Sonntag rund 12.000 Haushalte ohne Strom, da 240 Trafostationen durch Sturmschäden ausgefallen waren. Betroffen waren neben Gebieten in der Obersteiermark am Nachmittag vor allem die Ost- und Südsteiermark. Der oststeirische Tierpark Herberstein war aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Video: Sturm fegt über den Neusiedlersee (Credit: Arnold Digruber)

Entspannung gegen Abend

Die Windböen erreichten laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bereits gegen Sonntagmittag ihren Höhepunkt. Gegen Abend hin wurde eine leichte Entspannung prognostiziert. Dennoch ist auch am Montag noch mit Windspitzen bis zu 70 km/h zu rechnen. (TT.com, APA)


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