Letztes Update am So, 29.10.2017 13:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landraub

Gigantische Waldflächen in Brasilien durch Feuer zerstört

Mehr als 10.000 Quadratkilometer an geschützten Naturflächen brannten heuer bereits nieder. Immer wieder kommt es zu Brandstiftungen, auch um Ureinwohner zu vertreiben.

© Chico Mendes Institute for BiodiIm "Chapada dos Veadeiros National Park" nördlich der Hauptstadt Brasilia brannten in den vergangenen Tagen 65.000 Hektar nieder.



Brasilia - Zum Teil mutwillig im Streit um Land gelegte Brände haben in Brasilien dieses Jahr bereits 10.921 Quadratkilometer an geschützten Naturschutzflächen zerstört. Wie das Portal „O Globo“ berichtete, brannten in den vergangenen Tagen auch über 65.000 Hektar des Nationalparks Chapada dos Veadeiros im Bundesstaat Goias, 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Brasília.

Die Unesco hatte die Savannenlandschaft zum Weltnaturerbe erklärt. Parkchef Fernando Tatagiba sagte, die Brände seien wohl von Landbesitzern als Protest gegen die Erweiterung des Schutzgebiets gelegt worden. Zeugen sagten, sie hätten Motorradfahrer mit Benzinkanistern gesehen.

Kritiker sehen „Anti-Indigena-Politik“

Immer wieder kommt es zu Brandstiftungen, auch um Ureinwohner aus bisher geschützten Gebieten zu vertreiben. Das Ziel: Tropenholz fällen, Gold abbauen oder neue Sojaanbauflächen schaffen. Unter der konservativen Regierung von Präsident Michel Temer gibt es nach Meinung von Kritikern eine „Anti-Indigena-Politik“, es kommt zu einer Ausweitung der ökonomischen Aktivitäten etwa im Amazonasgebiet. Auch die klimaschädliche Regenwaldabholzung hat zuletzt stark zugenommen.

Am Freitag wurden das Gebäude der Umweltbehörde Ibama und des Biodiversitäts-Institut Chico Mendes in Humaita, im Süden des Amazonasgebietes, mutmaßlich von Goldgräbern niedergebrannt, nachdem es ein verschärftes Vorgehen gegen illegale Goldminen gegeben hatte.

Besonders die indigenen Völker leiden unter der zunehmenden Ausbeutung des Amazonasgebiets und der Zunahme illegaler Aktivitäten. Der mit dem Schutz der Indigenas in den Gebieten beauftragten Behörde Funai wurden die Mittel massiv gekürzt, inflationsbereinigt um rund elf Prozent auf 534 Millionen Reais (142 Millionen Euro) 2016, für 2017 könnten es laut Berichten noch mal über 30 Prozent weniger werden.

Der neue Bericht des indigenen Missions-Rats (Cimi) dokumentiert die dramatischen Veränderungen. 2016 wurden 118 Ureinwohner getötet. Bei 65 der 112 aufgeführten unkontaktierten Völker, die in Isolation leben, gibt es konkrete Bedrohungen: Von Invasoren, die illegal Tropenholz in ihren riesigen Gebieten roden, über den Bau von Straßen und Wasserkraftwerken, bis hin zu Drogentransportrouten, illegalem Fischfang, der Ausweitung von Sojaanbauflächen und dem Goldabbau. (APA/dpa)


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