Letztes Update am Do, 28.12.2017 16:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Felssturz in Vals

Geologe: ,,95 Prozent herunten“, aber noch keine Entwarnung

Trotzdem sich der überwiegende Teil des Gesteinsmaterials bereits abgelöst hat, rechnet der Landesgeologe noch mit größeren Abbrüchen. Der Notweg bleibt jedenfalls noch offen, drei Häuser weiter evakuiert. Ans Aufräumen ist noch nicht zu denken.

© Manuel WuertenbergerGeröll, Erdmassen und Bäume gingen an Heiligabend auf einer Länge von rund 150 Metern auf die Valser Landesstraße ab.



Vals – Nach dem gewaltigen Felssturz in Vals hat sich die Lage im Verlauf des Donnerstags vorerst relativ unverändert dargestellt. Der Berg sei nach wie vor in Bewegung, wenngleich sich nicht mehr die „große Masse“ an Gesteinsmaterial gelöst habe, sagte Bürgermeister Klaus Ungerank.

Der weit überwiegende Teil des Gesteinsmaterials hat sich bereits abgelöst. „Das meiste ist herunten, ich würde sagen 95 Prozent. Aber es ist noch Felsmasse oben, die den Siedlungsraum erreichen kann“, sagte Landesgeologe Gunther Heißel. Größere Abbrüche seien „durchaus wahrscheinlich“, so Heißel. Deshalb sei auch für das unmittelbar betroffene Gebiet bis auf Weiteres keine Entwarnung gegeben worden. „Da es nach wie vor dauernd Bewegung gibt warten wir, bis der Berg eine Ruhe gibt“, meinte der Bürgermeister nach einem Gespräch mit der zuständigen Landesgeologie.

Pläne für Schutzbauten

Der errichtete Notweg ins Tal könne jedenfalls offen bleiben. Es habe zwar rund 20 Zentimeter an Neuschnee gegeben, dies sei aber für die provisorische Fahrbahn „kein Problem“, so der Bürgermeister. Auch in punkto Lawinengefahr – der Forstweg wird von zwei Lawinenstrichen gekreuzt – sah der Ortschef vorerst keinen Grund zur Sorge. Derzeit herrsche Lawinenwarnstufe 3, also erhebliche Gefahr, kritisch werde es aber erst ab Warnstufe 4, so Ungerank.

An Aufräumungsarbeiten auf der Valser Landesstraße (L 230) stünden vorerst weiter nicht zur Debatte, verwies Ungerank auf die nach wie vor bestehende Gefahr. In dieser Woche heiße es jedenfalls einmal weiter zuwarten. Sobald man jedoch von den Geologen grünes Licht bekomme, werde man sich daran machen, die Landesstraße provisorisch wieder befahrbar zu machen. Mittel-und langfristig werde dann wohl eine Verlegung der Landesstraße notwendig sein, erklärte der Bürgermeister. Bezüglich Schutzbauten gebe es mehrere Optionen – eine davon sei die Errichtung einer Galerie.

Bewohner haben Humor nicht verloren

Am kommenden Mittwoch findet die nächste Einsatzleiterbesprechung statt. An diesem Tag soll es laut einem Bericht von ORF Tirol auch den nächsten Erkundungsflug geben. Bereits ab morgen, Freitag, könnten dann erste geologische Messungen mit einem terrestrischen Laser-Scan durchgeführt werden, so Landesgeologe Heißel. Dann habe man auch erstmals nach und nach exakte Zahlen zur Hand, anhand derer man sehen könne, ob und um wie viel sich etwa die Risse in der Felswand vergrößert haben.

- zeitungsfoto.at

Die drei Wohnhäuser im Siedlungsbereich „Tummelers Sand“ bleiben weiter evakuiert. Dies würde aber für die Bewohner derzeit noch keine allzu großen Probleme darstellen. „Einer hat gemeint, er schläft eh lieber bei seiner Freundin“, verdeutlichte Ungerank, dass in Vals der Humor trotz des Unglücks nicht verloren gegangen ist. „Die Stimmung im Dorf ist nicht so schlecht. Die Menschen sehen, dass etwas gemacht wird. Und wir sind alle froh, dass der Felssturz kein Menschenleben gekostet hat“, sagte der Ortschef.

Der gewaltige Felssturz hatte die Landesstraße im Valsertal am Abend des 24. Dezembers auf einer Länge von bis zu 150 Meter verschüttet. Personen kamen nicht zu Schaden, allerdings wurden mehrere Weiler der Gemeinde Vals von der Außenwelt abgeschnitten. Rund 150 Dorfbewohner waren bis zur Öffnung des Notweges eingeschlossen. Zudem mussten zahlreiche Häuser in der Gefahrenzone evakuiert werden. Nur wenige Minuten vor dem Felssturz hatten mehrere Kinder die Stelle auf dem Rückweg von der Christmette passiert. Bürgermeister Ungerank und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) als Leiter des Krisenteams sprachen von einem „Weihnachtswunder“. (APA)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Italien
Italien

Massenpanik in Disco: Jugendlicher Reizgas-Sprüher ausgeforscht

Der Burschen, der vermutlich mit Pfefferspray in der Nacht auf Samstag eine Massenpanik mit sechs Toten in einer italienischen Diskothek ausgelöst hat, soll ...

Italien
Italien

Tote bei Massenpanik in Italien: Fahndung nach Reizgas-Sprüher

Rund 1300 Musikliebhaber hatten sich in einer Disko in der Nähe von Ancona zum Konzert des in Italien überaus beliebten Rappers Sfera Ebbasta eingefunden, al ...

USA
USA

Nach Bränden in Kalifornien kehren erste Anrainer zurück

Die Erlaubnis galt zunächst jedoch nur für 24 Stunden. Die ausgebrannten Gebiete sind ohne Strom, Wasser und Telefonnetz.

Katastrophen
Katastrophen

Unwetter in Kärnten: „Dammbruch hat Lavamünd gerettet“

Meteorologen analysierten das verheerende Unwetter mit Starkregen und Sturm Ende Oktober in Kärnten. Sie sprechen von bisher unbekannten Niederschlagsmengen. ...

Katastrophen
Katastrophen

Tsunami-Warnung im Pazifik nach Beben der Stärke 7,5

Vor der Küste Neukaledoniens kam es in der Nacht zu einem starken Erdbeben in einer Tiefe von zehn Kilometern.

Weitere Artikel aus der Kategorie »