Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.02.2018


Innsbruck-Land

Nach Felssturz in Vals: Ein langer Weg zurück zur Normalität

Zwei Monate nach dem gigantischen Felssturz in Vals gibt es Kritik von Bewohnern und gute Nachrichten von der Geologie. Mit der Räumung der Straße könnte bald begonnen werden.

Erst wenn weitere Steinschläge ausgeschlossen werden können, beginnen die Arbeiten an dem Schuttkegel in Vals.

© Land Tirol/E. MairErst wenn weitere Steinschläge ausgeschlossen werden können, beginnen die Arbeiten an dem Schuttkegel in Vals.



Von Marco Witting

Vals – Es ist ruhig geworden in Vals. Nicht nur am Berg, an dem vor knapp zwei Monaten rund 117.000 Kubikmeter Fels abgebrochen sind. Auch aus den Schlagzeilen ist die Geschichte verschwunden. Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Es ist sehr unzufriedenstellend. Der Notweg ist so vereist, dass man mit einem normalen Auto faktisch nicht mehr durchkommt. Dazu ist jede Fahrt ein ewiger Umweg. Ich sage nicht, dass nichts gemacht wird. Aber das Ergebnis für uns ist nicht zufriedenstellend.“ Viele würden so denken und sich fragen, warum die Straße nicht freigeräumt werde – wo sich doch die Situation am Berg beruhigt habe.

Bürgermeister Klaus Ungerank hat die kritischen Stimmen auch vernommen. Dass der Ausweichweg nicht immer in bestem Zustand sei, das liege auch am Wetter. Und es sei schließlich nur ein Notweg. Dass aber nichts passiert sei, das stimme absolut nicht. „Ich verstehe, dass es manchen nicht schnell genug geht. Aber wir haben viel erreicht. Wir haben ein Monitoring eingerichtet und, als sich der Berg beruhigt hatte, sofort darüber nachgedacht, wie wir die Straße freibekommen und uns gleichzeitig über eine neue Straßenführung Gedanken gemacht.“ Man habe auch einen Teil der Straße öffnen können. Dass noch nicht die ganze Straße freigeräumt werden konnte, habe einen ganz triftigen Grund: die Sicherheit jener Menschen, die sie freimachen sollen.

Dazu gab es gestern einen Termin zwischen der Landesgeologie und dem Arbeitsinspektorat. Landesgeologe Gunther Heißel sagte danach: „Wir müssen noch ein paar Unterlagen nachreichen und wollen deshalb auch keine Entscheidung vorwegnehmen. Die Sicherheit der Arbeiter steht natürlich absolut im Vordergrund.“ Bevor es zur Sitzung kam, musste laut Heißel extra ein Fachgutachten erstellt werden. „Es kann sein, dass nach außen der Eindruck entstanden ist, dass nichts passiert. Der ist aber falsch. Weil im Hintergrund sehr viel gemacht wurde.“

Der Chef der Landesgeologie bestätigt, dass am Berg Ruhe eingekehrt ist und dies auch schon länger der Fall sei. Das Monitoring bleibe, der Hang sei auch über Webcam ständig unter Beobachtung. „Wir können nichts ausschließen, sind aber guter Dinge“, sagte Heißel.

Bürgermeister Ungerank hofft unterdessen, dass möglicherweise schon am Montag mit der Räumung der Straße begonnen werde könnte. Die endgültige Freigabe für die Arbeiten natürlich vorausgesetzt. „Dann wird es wohl zwischen 10 und 14 Tage dauern, bis wir die Straße freibekommen“, erklärte der Ortschef. Auf rund 150 Metern ist die Straße verschüttet – teilweise bis zu zehn Meter hoch. Mit den Gesteinen vom Felssturz soll dann ein Damm gebaut werden, der die Straße schützt. Auch für die neue Trasse laufen die Verhandlungen und Gespräche, erklärt Werner Huber vom Baubezirksamt. „Sobald das vom Wetter her und auch technisch möglich ist und man sich auf eine Variante geeinigt hat, können wir anfangen.“ Einen Zeithorizont dafür wollte Huber nicht geben.


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