Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Bezirk Landeck

Muren im Stanzertal: Deponie ruft Kritiker auf den Plan

In Zusammenhang mit den Muren im Stanzertal: Die BH Landeck genehmigte eine 500.000-Kubikmeter-Deponie bei Strengen. Gegner sind empört über „Zerstörung von wertvollem Waldgebiet“ und „Ho-ruck-Aktion“.

Diese "auf kurzem Weg" behördlich genehmigte Deponie im Agrarwald bei Strengen wird mit Geschiebe von der Schnanner Mure gefüllt.

© WenzelDiese "auf kurzem Weg" behördlich genehmigte Deponie im Agrarwald bei Strengen wird mit Geschiebe von der Schnanner Mure gefüllt.



Von Helmut Wenzel

Pettneu am Arlberg, Schnann, Strengen — Beinahe im Minutentakt trafen am Montagvormittag voll beladene Lkw in der neuen Bodenaushubdeponie westlich von Strengen ein. Dort wird Geschiebe von den Muren in Schnann und Pettneu gelagert. In Summe müssen 350.000 Kubikmeter geräumt werden, wie der Pettneuer Bürgermeister Manfred Matt feststellte — die TT berichtete.

Mit dem Deponiestandort und mit der Vorgangsweise der Behörde sind jedoch nicht alle Strenger einverstanden. „Da wird wertvolles Waldgebiet zerstört", kritisierten Bürger bzw. Agrarmitglieder am Montag gegenüber der TT. „Der Wald gehört der Gemeindegutsagrargemeinschaft und damit uns allen." Ihn störe vor allem die „Ho-ruck-Aktion" der Behörde bzw. des Landes, sagte ein Strenger (Name der Red. bekannt). „Wenn ein kleiner Bauer einmal eine Bauschuttdeponie braucht, wird er durch den Behördendschungel geschickt und bekommt letztlich eine Abfuhr."

Auch die Gridlon-Mure oberhalb von Pettneu muss geräumt werden.
Auch die Gridlon-Mure oberhalb von Pettneu muss geräumt werden.
- Wenzel

Die Deponie sei „auf kurzem Weg" im Beisein aller Sachverständigen sowie der Grundbesitzerin genehmigt worden, klärte Manuel Wolf, Leiter des Umweltreferats an der BH Landeck, auf. Das vorgesehene Verfahren werde nachgeholt. Das „Schnellverfahren" sei dann vorgesehen, „wenn wir es mit Gefahr in Verzug zu tun haben", so Wolf. Die Behörde stehe nicht an, der Grundbesitzerin (Gemeindegutsagrargemeinschaft Strengen) für ihre kooperative Haltung zu danken. Substanzverwalter BM Harald Siess hob am Montag hervor, die Agrar habe eine positive Gremialentscheidung getroffen. „Ein Teil der Fläche steht dann auch der Gemeinde als Bodenaushubdeponie zur Verfügung."

Der Postpartner sowie die Metzgerei "Wetter" bei Schnann bleiben laut Geschäftsleitung wegen großer Schäden zwei Monate geschlossen.
Der Postpartner sowie die Metzgerei "Wetter" bei Schnann bleiben laut Geschäftsleitung wegen großer Schäden zwei Monate geschlossen.
- Wenzel

Dass Petrijünger mit den laufenden Baggerarbeiten in der Rosanna keine Freude haben, versteht sich. Sie fürchten um den Bestand der Fischpopulation. „Zuletzt hat es Anzeigen gegeben", schilderten Einheimische kürzlich beim Lokalaugenschein von LH Günther Platter in Schnann. Platter reagierte verärgert. „Darüber werde ich garantiert nicht reden. Es gibt wichtigere Interessen."

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Mit Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten weiterhin beschäftigt ist das Team der Metzgerei „Wetter" im Schnanner Gewerbegebiet. Wie berichtet, stand das Erdgeschoß des Betriebes eineinhalb Meter unter Wasser. Es sei zu früh, um sagen zu können, bis wann das Verkaufslokal wieder öffnen wird, hieß es von der Geschäftsleitung am Montag. Man rechne mindestens mit zwei Monaten. Auch der regionale Postpartnerbetrieb in der Metzgerei müsse vorerst geschlossen bleiben.

Keine Verschnaufpause gibt es auch für die Wildbach- und Lawinenverbauung mit Gebietsbauleiter Daniel Kurz. Vorrangige Aufgabe bleibe die Räumung der Geschiebeauffangbecken im Gridlon-Tobel (Pettneu) und oberhalb der Schnanner Klamm, damit sie ihre Schutzfunktion wieder erfüllen können. „An beiden Standorten müssen auch die Sicherheitseinrichtungen überprüft werden", hob Kurz hervor. „Wir arbeiten unter Hochdruck und waren auch am Wochenende im Einsatz. Das wird noch eine Weile so bleiben."

Unbeschadet davongekommen sind die Anlagen des Kraftwerks Stanzertal, wie Geschäftsführer Jakob Klimmer bestätigte: „Wir haben die Schnanner Mure auf einem Überwachungsbildschirm gesehen, bei der Wasserfassung sofort alles dicht gemacht und das Kraftwerk abgeschaltet", schilderte er. Im Zuge der Baggerarbeiten an der Rosanna müsse die Stromproduktion vermutlich noch einige Male gestoppt werden, „damit kein Schlamm in die Anlagen eindringt", erläuterte Klimmer.