Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Indonesien

Tiroler nach Beben auf Lombok: „Hatten Angst wie noch nie“

Zum dritten Mal in zwei Wochen erschütterte ein Erdbeben die indonesische Insel Lombok. Die Behörden melden insgesamt 319 Tote. Tiroler schildern, wie sie die ersten beiden Beben erlebt haben.

© privatDa war die Welt noch in Ordnung: die Nassereither auf Bali. Am Freitag erschütterte erneut ein Beben die Nachbarinsel Lombok.



Von Thomas Hörmann

Lombok – Die indonesische Insel Lombok kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag erschütterte erneut ein Erdbeben (Stärke 5,9) das Ferien­paradies. Das dritte Beben in zwei Wochen – die Gesamtzahl der Toten ist mittlerweil­e laut Sicherheitsminister Wiranto auf 319 angestiegen. Das Militär geht sogar von 380 Opfern aus. Noch immer vermuten die Einsatzkräfte Menschen unter den zerstörten Gebäuden. Die Hoffnung, sie lebend zu bergen, sinkt mit jeder Stunde. Fast alle Urlauber haben Lombok mittlerweile verlassen.

Auch Simone L. und Lucas K. aus Nassereith haben ihren Urlaub in der Region vorzeitig abgebrochen: „Wir waren auf der Nachbarinsel Bali und wollten bis 15. August bleiben“, erzählt die 25-jährige Technikerin. „Auch ein Abstecher nach Lombok stand am Reiseplan.“ Doch schon nach dem ersten Beben am 29. Juli beschloss das Tiroler Paar, vorzeitig die Heimreise anzutreten. „Wir hatten kein gutes Gefühl“, erinnert sich Simone L. Zu Recht, wie sich noch zeigen sollte. Am Montag (6. August), Stunden vor der Abreise, bebte erneut die Erde. „Jetzt wissen wir, wie sich Todesangst anfühlt“, sagt die 25-Jährige. Todesangst vor dem angekündigten Tsunami, dem die Tiroler am Flughafen von Bali direkt an der Küste nahezu schutzlos ausgeliefert gewesen wären.

Doch der Reihe nach: Die Nassereither lagen noch in einem Bett im balinesischen Hochland, als am 29. Juli zum ersten Mal die Erde bebte. „Es fühlte sich an, als würde das ganze Haus fünf Meter hin und her wackeln“, so Simone L.: „Aus dem Pool spritzte das Wasser. Im ersten Moment dachten wir, das sei nur ein Traum.“ Ein Irrtum, wie die Tiroler wenig später nach einem Blick auf ihre Handys erfahren mussten – die Medien meldeten bereits erste Tote auf der Nachbarinsel Lombok. Zudem warnten die Behörden vor einem drohenden Tsunami. „Aber wir fühlten uns recht sicher, da wir im Hochland waren“, erzählt die Nassereitherin: „Außerdem gab es bald Entwarnung.“

Am Freitag erschütterte erneut ein Beben die Nachbarinsel Lombok.
- AFP

Dennoch war Bali nach dem Beben nicht mehr Bali: „Die Stimmung war so unruhig, wir sahen keine Boote am aufgewühlten Meer, nicht einmal die Fischer trauten sich noch raus.“ Die Einheimischen wussten natürlich auch, dass ein Beben selten allein kommt. „Wir hatten ein ebenfalls mulmiges Gefühl, besonders Lucas fühlte sich nicht mehr wohl“, erzählt seine Freundin. Also beschloss das Paar, die Heimreise früher anzutreten. Das war aber erst am 6. August möglich. „Es war gegen 18.30 Uhr, wir waren schon im Flughafengebäude und saßen auf der Terrasse eines Restaurants“, schildert Simone L.: „Plötzlich wackelte das Schild des Restaurants heftig hin und her und eine gespenstische Stille trat ein.“ Die war aber schnell vorbei – „jemand schrie und dann brach Panik aus. Alle – auch wir – liefen aus dem Flughafengebäude ins Freie. Wir liefen um unser Leben und wussten, dass in dem Moment auf Lombok Menschen starben.“ Das Beben der Stärke 7,0 war rasch vorbei, die Panik nicht. Wieder gab es eine Tsunamiwarnung, doch diesmal befanden sich die Tiroler nicht im relativ sicheren Hochland. Der Flughafen liegt direkt am Meer, „und wir mussten bleiben, wenn wir unser Flugzeug nicht versäumen wollten“. Einheimische rieten, auf das nahe, dreistöckige Parkdeck zu flüchten, wenn der Tsunami tatsächlich kommt. „Wir hätten dann etwa 20 Minuten Zeit bis zur Katastrophe“, ließen die Balinesen die Urlauber wissen. Bis zum Abflug waren es noch drei Stunden – „die schlimmsten unseres Lebens, wir zitterten am ganzen Körper“. Die immer wieder spürbaren Nachbeben machten die Situation nicht besser. Erst kurz vor der Abreise kam die Entwarnung. „Als wir endlich im Flieger saßen, waren wir so froh wie noch nie.“

Ähnliches erlebten Tiroler auf Balis Nachbarinsel Nusa Lembongan: Nach dem zweiten Beben und der Tsunamiwarnung „brach eine Massenpanik aus, alle flüchteten auf einen 120 Meter hohen Hügel“. Die Lage habe sich aber rasch beruhigt, schon am nächsten Tag „machten die Urlauber wieder Urlaub“.