Letztes Update am Do, 16.08.2018 14:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Golfküste

Rote Flut: Massensterben von Meerestieren an Küste Floridas

Seit Wochen sterben massenhaft Delfine, Meeresschildkröten, Fische und andere Meereslebewesen an der Golfküste Floridas. Schuld ist vermutlich ein Mikroorganismus, der giftige Gase freisetzt – die sogenannte rote Flut.

Massenhaft tote Fische und andere Meerestiere werden derzeit an Floridas Golfküste angespült.

© AFPMassenhaft tote Fische und andere Meerestiere werden derzeit an Floridas Golfküste angespült.



Sarasota – Ausnahmezustand an der Golfküste Floridas: Seit Wochen sterben dort massenhaft Delfine, Meeresschildkröten, Fische und andere Meereslebewesen wegen der sogenannten roten Flut. Mehr als hundert Tonnen toter Meeresbewohner wurden allein in diesem Monat an den Stränden der Südwestküste des US-Bundesstaates eingesammelt. Schuld sind vermutlich von Einzellern freigesetzte giftige Gase.

Im Bezirk Sarasota wurden in den vergangenen Tage zwölf tote Delfine angespült, so viele wie sonst in einem ganzen Jahr. „Das macht einen körperlich und seelisch fertig“, sagte Gretchen Lovewell vom Mote Marine Laboratory, die mit Helfern die toten oder halbtoten Meeresschildkröten und andere Meeressäuger einsammelt. Zusammen mit zwei Kollegen arbeite sie „rund um die Uhr“.

Unter den verendeten Delfinen war auch der zwölf Jahre alte Speck: Seine sterblichen Überreste wurden in der Nähe von Siesta Key gefunden, einem der schönsten Strände der USA. Ihm war zu Forschungszwecken die Nummer 252 auf der Rückenflosse eingeprägt worden. Wissenschafter hatten ihn mehr als 300 Mal in der Bucht von Sarasota gesichtet, bevor er jetzt verendete.

„Es ist niederschmetternd“, sagte Randall Wells, Leiter des örtlichen Delfin-Forschungsprogramms der Zoologischen Gesellschaft von Chicago. „Wir kannten Speck, seitdem er geboren wurde.“ Schon seine Mutter und Großmutter seien im Rahmen des Forschungsprogramms beobachtet worden.

Schädliche Auswirkungen auch beim Menschen

Die Ursache für Specks Tod ist mutmaßlich die rote Flut - die Laborergebnisse werden allerdings erst in einigen Wochen erwartet. Rote Flut wird die massenhaften Verbreitung des Mikroorganismus Karenia brevis genannt, der giftige Gase freisetzt. Beim Menschen können diese Gase Kopfschmerzen, tränende Augen, Husten und Asthma auslösen.

Die Einzeller sind ganzjährig in geringen Mengen vorhanden. Bei einer starken Ausbreitung kann das giftige Gas von Meeresbewohnern wie Meeresschildkröten und Sehkühen eingeatmet werden, viele Tiere sterben auch nach dem Verzehr von gifthaltigem Fisch oder Seegras. Auch Orientierungslosigkeit, Krampfanfälle und Koordinationsprobleme gehören zu den Symptomen.

Die aktuelle rote Flut begann bereits im vergangenen Oktober, in den vergangenen Wochen weitete sie sich jedoch dramatisch aus. Derzeit erstreckt sie sich an der Westküste Floridas von Tampa bis Naples auf einer Strecke von etwa 320 Kilometern. Experten vermuten, dass das Phänomen ähnlich wie die sogenannten Blaualgen durch Überdüngung im Rahmen der industriellen Landwirtschaft sowie durch unsachgemäße Abfallbeseitigung befördert wird. (APA/AFP)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Auch das Opernhaus von Sydney ist dieser Tage in dichten Rauch gehüllt.Australien
Australien

Kinder sollen nicht mehr ins Freie: Rauch erstickt Leben in Sydney

Der durch Buschfeuer im Umkreis erzeugte Rauch wird immer dichter, die Lage auch in der australischen Millionenmetropole immer prekärer. Entspannung ist nich ...

Vermurung nach heftigen Niederschlägen am Dienstag, 19. November 2019, u.a. in Feld am See.Unwetter
Unwetter

Unwetter: Nur teilweise Entwarnung in Kärnten

Die Überschwemmungsgefahr im Bezirk Feldkirchen ist gebannt. Die Versicherer rechnen mit Gesamtschaden in dreistelligem Millionenbereich.

Sydney ist derzeit in dichten Rauch gehüllt.Buschbrände
Buschbrände

Sydney atmet schwer: Dichter Rauch über der Millionenmetropole

Wegen der Buschbrände in der Umgebung hängt auch über Australiens größter Stadt ein dicker Rauchschleier. Menschen mit Atemproblemen wurde empfohlen, ihre Hä ...

Das Hochwasser war das schlimmste seit Jahrzehnten.Italien
Italien

Notstand für Venedig beschlossen: Ärger um unvollendeten Flutschutz

Rom macht Geld locker, doch viele Menschen in Venedig sind wütend über das Versagen der Politik. Schließlich wird seit Jahren über den Flutschutz diskutiert. ...

Buschbrände halten Australiens Bundesstaaten New South Wales und Queensland seit Oktober in Atem, beide Regionen haben den Notstand ausgerufen.Buschfeuer
Buschfeuer

Brände in Australien: Menschen werden per Fähre in Sicherheit gebracht

Feuer außer Kontrolle: Aus einem Strandort an Australiens Ostküste bleibt nur das Meer als Fluchtweg. Ein Löschhubschrauber stürzt ab. Vor den Toren Sydneys ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »