Letztes Update am Sa, 18.08.2018 19:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brücken-Katastrophe

Retter bargen letzten Vermissten, Betreiber sagte 500 Mio. Euro zu

Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua galten bis zu 20 Menschen als verschollen. Jetzt zogen Retter wohl den letzten Vermissten aus den Trümmern. Derweil stellt der Autobahnbetreiber 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung.

Das Interesse an der Pressekonferenz war groß.

© REUTERSDas Interesse an der Pressekonferenz war groß.



Genua – Rettungskräfte in Genua haben Medienberichten zufolge die Leiche des letzten Vermissten geborgen. Feuerwehrleute zogen den Mann aus den Trümmern der eingestürzten Morandi-Brücke, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag berichtete. Unterdessen starb eines der verletzt geborgenen Opfer im Krankenhaus. Damit stieg die Zahl der Todesopfer des Unglücks vom Dienstag auf 43.

Noch nicht alle Leichen identifiziert

Der schwer verletzte 36-jährige Rumäne sei im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, berichtete die ANSA am Samstagabend. Drei der in der Nacht auf Samstag gefundenen Leichen müssen noch durch forensische Untersuchungen identifiziert werden. Die ANSA hatte Samstagfrüh berichtet, es handle sich um ein neunjähriges Mädchen und seine Eltern. Die drei seien am Dienstag mit dem Auto auf der Morandi-Brücke unterwegs gewesen, als die Straße unter ihnen nachgab.

Indes hat der Autobahnbetreiber Autostrade per l‘Italia 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Autobahnbrücke sowie für Hilfszahlungen an die Stadt Genua zugesagt. Ab Montag stehe eine halbe Milliarde Euro bereit, sagte Unternehmenschef Giovanni Castelluccio bei einer Pressekonferenz. Beim Überschlagen der Folgekosten des Unglücks „kommt man schnell auf eine halbe Milliarde Euro“, sagte der Chef der Autostrade per l‘Italia, Giovanni Castellucci.

Betreiber weisen Verantwortung weiter von sich

Die Verantwortung weist Autostrade per l‘Italia allerdings weiter von sich. „Wir denken nicht, dass die Voraussetzungen vorliegen, Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, dessen Ursache zunächst noch ermittelt werden muss“, sagte Castellucci. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte. Premierminister Giuseppe Conte hatte bereits am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der Betreibergesellschaft ihre Lizenz zu entziehen.

Castellucci entschuldigte sich zugleich, nicht genügend Mitgefühl für die Opfer gezeigt zu haben. Er versprach den Opferfamilien und den Menschen zu helfen, die infolge des Unglücks ihre Häuser verlassen mussten. Rund 600 Menschen waren nach dem Einsturz der Brücke gezwungen, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Die Gebäude, die teils unterhalb der Brücke stehen, müssen nach Behördenangaben abgerissen werden.

Seine Gesellschaft könne eine neue Brücke aus Stahl in acht Monaten bauen, sobald die nötigen Genehmigungen vorlägen, sagte Castellucci weiter. Außerdem werde Autostrade per l‘Italia „in Rekordzeit“ eine Alternativroute für den Schwerlastverkehr auf einer Privatstraße des Stahlwerks Ilva in der Nähe des Genueser Hafens einrichten. Zudem müssten auf den Autobahnen in der Region Genua keine Mautgebühren mehr bezahlt werden.

Die italienische Regierung hat Autostrade per l‘Italia für den Brückeneinsturz verantwortlich gemacht. Innenminister Matteo Salvini hatte die Betreiber bereits am Donnerstag aufgefordert, etwa 500 Millionen Euro für betroffene Familien und örtliche Behörden bereitzustellen. Premier Giuseppe Conte hatte am Freitag einen Prozess eingeleitet, um der Betreibergesellschaft ihre Lizenz zu entziehen. Das Unternehmen bestreitet Nachlässigkeit.

Während eines Unwetters war ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des wichtigen Polcevera-Viadukts in der norditalienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen. Experten vermuten, dass der Einsturz durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte.

Mit der Morandi-Brücke verlor Genua eine wichtige Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Außerdem gehörte sie zur A10 und damit zu einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Italiens. (APA/dpa)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Der Vulkan ist auf White Island ist ausgebrochen, als 47 Menschen auf der Insel waren. Viele wurden schwer verletzt oder starben.White Island
White Island

Vulkanausbruch in Neuseeland: Wohl 13 Tote, Gebiet jetzt Todeszone

Durch den Vulkanausbruch wurden bisher fünf Menschen getötet. Die Polizei geht inzwischen nicht mehr davon aus, Überlebende auf der Insel zu finden.

Die Feuerwehren kämpfen in Australien derzeit an allen Ecken und Enden gegen die Brände.Australien
Australien

Hitze und Wind fachen Buschbrände weiter an: Dichter Rauch in Sydney

Die Australischen Buschbrände gehen unaufhaltsam weiter, auch die Metropole Sydney ist betroffen. Das Amt für Meteorologie warnte vor gefährlichen Luftqualit ...

Bereits am Sonntag bekam die Insel Mayotte Ausläufer von "Belna" zu spüren.Wirbelsturm
Wirbelsturm

Zyklon „Belna“ traf auf Madagaskar: Tausende Menschen betroffen

Mit Böen von bis 130 Stundenkilometern traf der Zyklon auf Land. Laut Rotem Kreuz sind mehr als 260.000 Menschen von dem tropischen Wirbelsturm bedroht.

Laut Polizei befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs etwa 50 Menschen auf der Insel.Neuseeland
Neuseeland

Vulkanausbruch in Neuseeland: Fünf Tote, kaum Hoffnung für acht Vermisste

Neuseelands Ureinwohner nennen ihn Whakaari: den „dramatischen Vulkan“. Am Montag, als Touristen darauf herumwandern, bricht er plötzlich aus. Eine riesige A ...

Das Feuer in der Fabrik war am frühen Morgen ausgebrochen.Indien
Indien

Feuer in Neu-Delhi: Fabrikbrand tötet mindestens 42 Menschen

Das Feuer überrascht die Mitarbeiter offenbar im Schlaf: In Neu-Delhi bricht in einer Fabrik ein Brand aus. Einige Menschen können gerettet werden, für minde ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »