Letztes Update am Di, 28.08.2018 11:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Brückeneinsturz in Genua: Italien lehnt Plan für Wiederaufbau ab

Der Staat wird laut Verkehrsminister Toninelli selber für die Errichtung der Brücke sorgen.

Während eines schweren Unwetters stürzte die Morandi-Brücke in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein.

© AFPWährend eines schweren Unwetters stürzte die Morandi-Brücke in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein.



Rom, Genua – Die italienische Regierung hat einen Plan des Autobahnbetreibers Autostrade per l‘Italia für den Wiederaufbau der in Genua eingestürzten Brücke abgelehnt. Der Staat werde selber für die Errichtung der Brücke sorgen, die von Autostrade per l‘Italia betrieben wurde, sagte Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem Radiointerview am Dienstag.

„Was würden wir den Familien der Opfer und den Bürgern für ein Signal geben, wenn die Brücke von der selben Gesellschaft wiederaufgebaut wird, die für ihren Einsturz verantwortlich ist?“, fragte Toninelli, Spitzenpolitiker der seit Juni in Rom regierenden Fünf Sterne-Bewegung. Das staatlich kontrollierte Schiffsbauunternehmen Fincantieri und die staatliche Bank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könnten laut Medienberichten mit dem Bau einer neuen Brücke beauftragt werden. Autostrade werde aber die Kosten übernehmen müssen, sagte Toninelli. Beim Einsturz am 14. August sind 43 Menschen ums Leben gekommen.

Regierung will alle Autobahn-Lizenzen prüfen

Als Folge der Katastrophe in Genua will die italienische Regierung alle Autobahn-Lizenzen prüfen. Im September werde er die Vertreter aller Autobahnbetreiber treffen, hatte Toninelli in einer Ansprache vor dem Parlament am Montag in Rom angekündigt. Die Regierung werde von den Firmen ein detailliertes Programm ihrer Instandhaltungsarbeiten einfordern. Der Minister bemängelte, dass die Investitionen der Autobahnbetreiber in das Infrastruktursystem seit dem Jahr 2000 von zwei Milliarden Euro auf 950 Millionen Euro zurückgegangen seien, während die Autobahngebühren in Italien weiter gestiegen seien.

Der Minister hatte der Autobahngesellschaft Autostrade per l‘Italia zuletzt mit dem Entzug der Lizenz und hohen Strafzahlungen gedroht. Der Autobahnbetreiber gehört der börsennotierten Infrastrukturholding Atlantia im Besitz der Unternehmerfamilie Benetton. Die Atlantia-Aktie meldete am Dienstag einen Rückgang von fast einem Prozent an der Mailänder Börse. (APA)