Letztes Update am Fr, 31.08.2018 11:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Brückeneinsturz in Genua: Abriss soll in einem Monat beginnen

Der Abbruch soll mit Sprengstoff und Kränen erfolgen. Bis spätestens Ende Oktober könnte der Abriss der Brücke abgeschlossen sein.

© ReutersDie Morandi Brücke in Genua ist am 14. August eingestürzt.



Genua, Rom – Die Reste der am 14. August in Genua eingestürzten Autobahnbrücke könnten in einem Monat abgerissen werden. Der Abbruch des östlichen Rumpfes sollte einen Tag lang dauern und mittels Sprengstoff erfolgen, berichtete der Präsident der Region Ligurien Giovanni Toti nach Medienangaben.

Für den Abbau des westlichen Rumpfes, der mit zwei Kränen Stück für Stück abmontiert werden muss, seien 20 Tage notwendig, betonte Toti. Zusammen mit dem Viadukt sollen mehrere Gebäude mit insgesamt 150 Wohnungen abgerissen werden, die beim Einsturz der Brücke schwerbeschädigt wurden. Bis spätestens Ende Oktober könnte der Abriss der Brücke abgeschlossen sein.

43 Lampen für die Toten

Das Polcevera-Viadukt war während eines Unwetters eingestürzt. 43 Menschen kamen ums Leben. Die Autobahngesellschaft „Autostrade per l‘Italia“, Betreiberin der eingestürzten Brücke, erklärte sich bereit, den Stararchitekten Renzo Piano zu treffen, der der Region Ligurien einen Plan für einen neuen Viadukt geschenkt hat. Seine Idee für eine Ersatzbrücke in der ligurischen Hafenstadt sieht 43 Lampen vor, die an jeden einzelnen Toten erinnern sollen. Der 80-Jährige, der ursprünglich aus Genua kommt, hatte am Dienstag seinen Plan für eine neue Brücke präsentiert.

Inzwischen verteidigt sich die „Autostrade per l‘Italia“ gegen den Vorwurf, seinen Pflichten in Zusammenhang mit der Sicherheit der Brücke nicht nachgekommen zu sein. Das Wochenmagazin L‘Espresso veröffentlichte einen Brief der Gesellschaft, mit dem im vergangenen Februar das Verkehrsministerium vor Sicherheitsgefahren gewarnt wurde, die mit Verspätungen bei der Zustimmung eines Projekts zur Konsolidierung der Brücke zusammenhingen. Im Brief wurde urgiert, die Prozeduren für die Genehmigung der Konsolidierungsarbeiten zu beschleunigen. Der Autobahnbetreiber habe zwischen Februar und dem 13. April fünf Schreiben an das Ministerium gerichtet, in denen Verspätungen bei den Prozeduren beklagt wurden, wegen denen die Konsolidierungsarbeiten erst im zweiten Halbjahr 2019 oder sogar Anfang 2020 hätten beginnen können.

Verteidigungslinie gegen die Regierung

Die Aufsichtsräte von „Autostrade per l‘Italia“ und des Mutterkonzerns, der börsennotierten Infrastrukturgesellschaft Atlantia unter Kontrolle der Unternehmerfamilie Benetton, tagen am Freitag, um eine Verteidigungslinie gegen die Regierung festzulegen, die dem Autobahnbetreiber die Lizenz entziehen will. Die Aufsichtsräte wollen beweisen, dass alle Sicherheitskriterien bei der Instandhaltung der Brücke respektiert worden seien.

Innenminister Matteo Salvini meinte, „Autostrade per l‘Italia“ werde für die Kosten für die Wiedererrichtung der Brücke aufkommen müssen. „Wir werden das bestmögliche Projekt wählen. Der Wiederaufbau muss schnell, aber nicht hastig erfolgen“, sagte Salvini, der auch Vizepremier und Chef der Regierungspartei Lega ist. (APA)